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Auf den Kopf gestellt

O du Fröhliche! Manchmal sagt man Dinge, die man nicht so meint. Nicht, weil man den anderen anlügen will, sondern weil man glaubt, ihn schützen zu müssen. „Ja, Schwiegermutter, dein Nachtisch ist hervorragend!“ Und dann wird er — bestenfalls unbemerkt — in die Topfpflanzen gegossen oder der Hund muss dran glauben. Etwas komplizierter ist die Situation, wenn man etwas sagt, es auch so meint, aber im Innersten daran zweifelt. Beispiel: „Frohe Weihnachten!“ Das kann man seinem Gegenüber tatsächlich von Herzen wünschen. Aber schon ein kurzer Blick in die Nachrichten genügt, um zumindest ein mulmiges Gefühl zu bekommen. Überall ist von Krise die Rede, schlechte Wirtschaftslage, VW in der Schieflage, die Infrastruktur bröckelt und zu allem Überfluss soll es am ersten Weihnachtsfeiertag auch noch eine Helene-Fischer-Show geben. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Von der überbordenden Bürokratie, der Politikverdrossenheit und den Butterpreisen will ich gar nicht erst anfangen. Alles in allem könnte es schwer werden, sich auf frohe Weihnachten zu freuen. Könnte. Denn es gibt auch Grund zur Zuversicht: Deutschland gehört zu den wenigen Ländern der Welt, die noch ein AAA-Rating haben – knapp vor den Vereinigten Staaten von Amerika, weit vor den meisten europäischen Ländern und erst recht weit vor Japan. Bemerkenswert ist auch die Schuldenquote, also der Anteil der Staatsschulden am Bruttoinlandsprodukt: Nach einem coronabedingten Höchststand ist sie kontinuierlich gesunken und liegt 2023 nur noch knapp über dem Maastricht-Kriterium von 60 Prozent. Das ist noch nicht ideal, aber kein Grund zur Panik. Vor allem nicht aus französicher oder italienischer Perspektive. Es soll da eine intellektuell leicht verkohlte Ingolstädter Rostbratwurst geben – nein, so würde ich Markus Söder nie (öffentlich) nennen. Außerdem kommt er aus Nürnberg. Ich hörte aber, sein Vorgänger im Amt, Horst Seehofer, käme aus dieser Gegend. Wie auch immer: Dieser hat in einem besonders (sch-)lichten Moment die Migration als Mutter aller Probleme bezeichnet. Dabei ist das Gegenteil der Fall: 2019 gab es in Deutschland gut 700.000 Unternehmer, die selbst eingewandert sind und je nach Auswertung 3,4 bis 5,3 Millionen Arbeitsplätze geschaffen haben. So zu lesen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die nun wirklich nicht im Verdacht steht, ein links-grün-versifftes Schmierenblatt zu sein. Mehr als 60 Prozent der Geflüchteten, die 2015/16 nach Deutschland gekommen sind, haben inzwischen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen. Das heißt: Sie zahlen in die deutsche Rentenkasse ein! Nicht auszudenken, wie es um die Sozialkassen bestellt wäre, gäbe es nicht so viele Beitragszahler mit Migrationshintergrund. Klar, das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in Sachen Migration, Wirtschaft und vielem mehr zum Teil gravierende Probleme gibt. Keine Frage. Aber in jeder Krise liegt auch eine Chance. Die Frage ist, wovon man sich leiten lässt. Man kann mutig einen Schritt nach dem anderen machen und so den Wandel selbst gestalten. Oder man lässt sich von Angst, Hass und Hetze leiten und fällt auf das herein, was Bernd, Alice und Co. als Alternative verkaufen wollen. Vielleicht klingt das alles ein bisschen (zu) pathetisch. Aber wann soll es so klingen, wenn nicht zu Weihnachten? Ich wünsche Ihnen und mir mutige Gelassenheit und gelassenen Mut! In diesem Sinne: Frohe Weihnachten! Und wenn gar nichts mehr geht: Mittwoch, 25.12.2024, 20.15 Uhr, ZDF.