Am 21. August war es wieder so weit: Mit dem Marktkieker ehrte unser Schwestermagazin, das Back Journal, gleich fünf Bäckereien, die nach Meinung der Jury als Vordenker des Bäckerhandwerks gelten müssen. Sie zeichnen sich alle durch Innovationsfreude bei gleichzeitigem Bewusstsein für das traditionelle Bäckerhandwerk aus. Sogenannte „Leuchttürme“. Auch kleinere Betriebe nutzten ihre Chance. Da wäre beispielsweise Max Kugel aus Bonn, der mit seinem puristischen Konzept zeigt, dass die Kernkompetenz des Bäckers ausreicht, um eine erfolgreiche Bäckerei zu führen. Oder Axel Schmitt mit seiner Frau Eva-Maria, die zwar (sie mögen es mir verzeihen) aus der unterfränkischen Provinz kommen, aber unter anderem dank social media eine sehr große Bekanntheit erlangten. Selbst auf dem Heavy-Metal-Festival in Wacken haben sie sich einen Namen gemacht. Diese zwei völlig unterschiedlichen Konzepte haben mit den drei anderen Preisträgern mindestens zwei Dinge gemeinsam: Zum einen das Streben nach absoluter Backwaren- Qualität. Aber das sollte selbstverständlich sein. Zum anderen das Treffen bewusster Entscheidungen. Damit meine ich nicht, dass man sich zum Erfolg einfach nur entscheiden bräuchte. Wer täte das nicht gern? Nein, bei den fünf geehrten Preisträgern hat man sich jeweils für einen Weg und ein Ziel entschieden. Das klingt so selbstverständlich und keiner Erwähnung wert. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, wir turbulent so ein Bäcker-Alltag sein kann. Soll heißen: das angestrebte Ziel kann man gelegentlich aus den Augen verlieren. Befasst mit der Lösung der alltäglichen Probleme, trübt es sich ein und ehe man sich versieht, ist man nur noch ein Getriebener und nicht mehr der Handelnde. Es bleibt nur noch Zeit zur Reaktion, nicht mehr zur Aktion. Da fallen bewusste Entscheidungen schwer. Wie eine solche Situation zu beheben ist, ist schwer zu sagen. Ein Patentrezept gibt es nicht. Der erste Schritt aber ist, diesen Missstand zu erkennen. Normalerweise bin ich als „Halb-Theologe“ kein großer Freund von fernöstlichen Einsichten, die in jedem Glückskeks stecken könnten. Trotzdem ließ mich eine solche vor kurzem aufhorchen: „Tue deine Arbeit und tritt einen Schritt zurück“. Mit diesem Zurücktreten will ich mich nicht distanzieren von meiner Arbeit. Vielmehr will ich wieder das Ganze in den Blick nehmen. So kann ich sehen, ob meine Arbeit, ob mein Betrieb noch auf Kurs ist. Da tut etwas Abstand gut. Gönnen Sie sich kleine Auszeiten. Das hat nichts mit Kontrollverlust zu tun. Aber umso mehr damit, die Kontrolle zu behalten. Zur Orientierung lohnt es sich übrigens immer, die Leuchttürme im Blick zu behalten.