Haben Sie auch dieses eine Produkt? Dieses Produkt, das Sie schon immer im Programm haben, was sich aber immer schlechter verkauft? Bei uns war es das Wuppertaler Feinbrot. Die Zutaten waren im Grunde nichts Besonderes. Ein typisches Weißbrot, dem etwas Fett zugegeben wurde. Gebacken wurde es aber im Conzekasten – erst das verlieh ihm seinen einmaligen Charakter. Es verkaufte sich aber, wie gesagt, immer weniger gut und irgendwann machten wir es nur noch einmal in der Woche. Im üblichen Conzekasten finden sieben Brote Platz und es kam vor, dass sich von diesen sieben Exemplaren tatsächlich sechs in den Retouren wiederfanden. Nach Rücksprache mit den Verkaufskräften fand ich heraus, dass es nur noch diesen einen älteren Herren gab, nennen wir ihn Herrn Müller, der zwar regelmäßig zu uns kam, aber doch immer nur ein Feinbrot mitnahm. Singlehaushalt. Wirtschaftlich betrachtet wäre es Wahnsinn gewesen, weiterhin sieben Feinbrote zu backen. Backtechnisch betrachtet ist es schlicht nur schwer möglich, weniger Brote in einem Conzekasten zu backen als vorgesehen. Zudem wollten wir auch Herrn Müller nicht enttäuschen, der so viel Erinnerung mit diesem Brot zu verbinden schien. Was also tun? Aus Liebe zum Kunden weiter das Feinbrot anbieten, auch wenn wir im besten Fall nichts, aber auch gar nichts daran verdienen? Oder aus Liebe zu unserer BWA das Traditionsbrot aus dem Programm werfen? Wir haben es weitergebacken. Aus Liebe zum Kunden. Und aus Liebe zu unserer BWA haben wir nicht mehr sieben Stück gemacht, sondern 14. Unsere Verkaufskräfte haben es kräftig beworben, Probierstückchen verteilt und es immer wieder angeboten. Siehe da: Schon nach kurzer Zeit fanden sich weitere Kunden – alle fortgeschrittenen Semesters –, die das Brot auch noch von früher kannten. Schnell hatte es sich eingependelt, dass wir jede Woche, wenn auch nicht 14, aber doch sieben der Feinbrote verkaufen konnten. Klar, das machte nicht den meisten Umsatz, aber die Kunden waren zufrieden und wir hatten praktisch kein Feinbrot mehr übrig. Ich möchte hier aber nicht nur ein Loblied auf den aktiven Verkauf und das Marketing singen. Vielmehr möchte ich kurz darauf eingehen, was uns motiviert, Dinge zu tun, oder eben nicht zu tun. Kürzlich hörte ich den Klavierkabarettisten Bodo Wartke. In einem seiner Lieder fordert er auf: „Tu’ was du tust aus Liebe. Nicht aus Angst!“ Das sollte unsere Triebfeder sein. Als Handwerksbäcker, der in seiner Stadt verwurzelt und seinen Kunden verbunden war, konnte ich nicht einfach aufhören, dieses Feinbrot zu backen. Aber ich hatte dennoch auch Sorge, vielleicht auch Angst, dass uns ein Festhalten am Traditionsbrot eher schadet als nutzt. Von Angst getrieben hätte es das Brot nicht weiter gegeben. Doch aus Liebe zum Kunden, zur Tradition und zum Handwerk haben wir es weitergebacken. Und es hat sich dann auch wieder gelohnt, weil wir es offensiv angegangen sind. Wahrscheinlich kann nicht jede liebgewonnene Brotsorte „gerettet“ werden. Aber jede Sorte, die bleibt, stärkt die Vielfalt unseres Handwerks. Tun Sie, was Sie tun müssen. Aber tun Sie es aus Liebe und nicht aus Angst.