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Blauloses Farbenspiel

Jetzt also Dorothee Bär. Und um den sich fast schon aufdrängenden Wortwitz zur neuen Brotbotschafterin vorwegzunehmen: Ich dachte, man wolle mir einen ebensolchen aufbinden. Also Bär. Ernsthaft: Was hat Frau Bär mit Brot oder gar dem Bäckerhandwerk zu tun? Ich befürchte, sie hat lediglich mal ein Brötchen gegessen. Mehr Berührungspunkte sehe ich zunächst nicht. Immerhin hat sie das gemein mit vielen ihrer Vorgänger. Auch der scheidende Brotbotschafter Lars Klingbeil und seine Vorgängerin Gitta Connemann hatten wenig mit unserem Handwerk zu tun. Letztgenannte ist zwar nach eigenen Aussagen in der Nähe einer Mühle aufgewachsen, aber wenn das als Qualifikation ausreicht, dann tut es auch das schon erwähnte Essen eines Brötchens. Hier muss ich allerdings an meinen Deutschlehrer denken, der mir gelegentlich die knallharte Anmerkung „Thema verfehlt“ unter meine wortreichen Ausführungen schrieb. Das war zwar nie schön, aber es lehrte mich, zurückzutreten und einen Aspekt nochmals zu betrachten. Das gelingt mir nicht immer. Aber hier ging auch mir irgendwann auf, dass ein Brotbotschafter rein gar nichts mit unserem Handwerk zu tun haben muss. Vielmehr verleiht er uns etwas, was er zur Genüge generiert und unseren Anliegen so häufig fehlt: Aufmerksamkeit. Vor allem auf politischer Ebene. Vor diesem Hintergrund ist die Wahl von Dorothee Bär keine schlechte. Sie scheint im politischen Berlin gut vernetzt. Auch wird deutlich, wie bunt das Spektrum des Zentralverbandes ist: Vor einigen Jahren war der gelbe Christian Lindner Brotbotschafter, die schwarze Gitta Connemann und den roten Lars Klingbeil habe ich schon erwähnt, und nun ist es eine schwarze Brotbotschafterin bayerischer Konnotation. Und der Schirmherr der ganzen „Tag des Deutschen Brotes- Geschichte“ ist der grüne Cem Özdemir. Dem aufmerksamen Leser fällt auf, dass eine Fraktion des Bundestages im Farbenspiel des Zentralverbandes fehlt. Die sogenannte Alternative für Deutschland (AfD) taucht nicht auf. Ich schreibe das nicht oft, aber in der Hinsicht bin ich tatsächlich stolz auf den Zentralverband! Schließlich gelingt ihm, was vielen großen Talkshows nicht mehr gelingen will. Bei Hart aber fair, bei Maischberger und bei Lanz sitzt die AfD. Beim Zentralverband nicht. Normalerweise haben wir in der Bäcker Zeitung den Anspruch, nicht politisch zu sein. Aber an dieser Stelle mache ich bewusst eine Ausnahme. Schließlich hat die AfD nichts mit Politik zu tun. Wer Politik als die Wissenschaft der Staatsführung begreift, wird eine Vereinigung, die gerichtsfest im Verdacht steht, rechtsextrem zu sein, die von Menschen geführt wird, die ebenso gerichtsfest als Faschisten bezeichnet werden dürfen, die gegen Minderheiten hetzt, die den Nationalsozialismus als „Vogelschiss“ in der Geschichte bezeichnet, die allem Anschein nach Schmiergeldempfänger in ihren Reihen duldet – wer dies alles und leider noch mehr über eine solche „Partei“ weiß, kann nicht dazu schweigen und hoffen, dass sich das Problem von selbst löst. Darum zitiere ich sehr gern den Kabarettisten Wilfried Schmickler, der das Wesen der AfD in folgenden Worten kompakt zusammenfasste: „Die AfD ist eine widerwärtige, niederträchtige und unappetitliche Scheißpartei!“ Behalten Sie dies im Gedächtnis, wenn sie bei der Europawahl ihr Kreuzchen machen.