Es ist überraschend, was mich alles mit unserem Bundespräsidenten Frank- Walter Steinmeier verbindet. Da wäre zuallererst unsere starke Bindung an die Region Lippe im nördlichen Nordrhein-Westfalen. Er kommt gebürtig von dort, und ich darf immer wieder dahin. Schwiegereltern – wenn Sie verstehen. Viel stärker verbindet uns jedoch das Gefühl des Mangels an Frühstücksgeschirr, vor allem an Eierbechern. Aber der Reihe nach: Der Sitz des Bundespräsidenten, Schloss Bellevue, soll renoviert werden. Das bedeutet: Der Bundespräsident muss in die sogenannte Ausweichliegenschaft (das heißt wirklich so) in Berlin-Moabit umziehen. Und wie das so ist, wenn man sowieso alles einpacken muss, schaut man auch einmal nach, was noch so alles da ist. So kommt es, dass eine öffentlich einsehbare Inventarliste von Schloss Bellevue entstanden ist, die einige frag- oder wenigstens merkwürdige Posten aufweist. Beispielsweise werden 796 Untertassen gezählt, aber nur 537 dazugehörige Kaffeetassen. Wo sind die 259 anderen? Den angestaubten Kalauer, dass er nicht mehr alle Tassen im Schrank hat, erspare ich Ihnen an dieser Stelle. Weiter finden sich 34 Zuckerdosen, aber nur 29 entsprechende Deckel. Wer sich fragt, wie es zu einem solchen Schwund kommen kann, hat wohl noch nie in einem Bäckerei-Café gearbeitet. Ich erinnere mich noch gut: Die gleiche Zahl an Tassen und Untertassen hatten wir eigentlich nur am Eröffnungstag. Viel frappierender als die unterschiedlichen Bestände – und hier komme ich zum anfangs angesprochenen Mangel – ist die Zahl der bundespräsidialen Eierbecher. Bei uns im Café war das früher immer so: Einmal im Monat besuchten uns die Landfrauen der Region zum Frühstück. Böse Zungen sprachen vom „Krampfaderngeschwader“, aber dem möchte ich mich ausdrücklich nicht anschließen. In jedem Fall wurde es für mich dann Zeit, rechtzeitig zu kontrollieren, ob noch genügend Eierbecher vorhanden waren. Merkwürdigerweise verschwanden davon nämlich besonders viele. Eine solche Kontrolle scheint im Schloss Bellevue schon lange keiner mehr gemacht zu haben. Anders ist es nicht zu erklären, dass unser Staatsoberhaupt über lediglich acht Eierbecher verfügt. Über acht Eierbecher im ganzen Schloss! Was wäre passiert, hätten Frank-Walter Steinmeier und seine Frau mit den Landfrauen frühstücken wollen? Irgendwer hätte auf Rührei ausweichen müssen. Und wenn dann noch Ehepaar Macron vorbeigeschaut hätte – nicht auszudenken. Spaß beiseite. Im täglichen Betrieb eines Cafés verschwindet so einiges – auch Eierbecher. Da liegt der Verdacht nahe, dass sich der eine oder andere Gast mal ein kleines Souvenir gönnt. Ich persönlich hatte aber gar nicht so sehr das Krampfaderngeschw…, ähm, die Landfrauen in Verdacht, sondern vielmehr ein Problem im Betriebsablauf. Wenn nach dem Abräumen die mit Eierschalen gefüllten Eierbecher geleert werden mussten, geschah dies meist schwungvoll über dem großen Biomülleimer. Dabei ist vielleicht im Eifer des Gefechts so mancher Eierbecher mit in die ewigen biologisch abbaubaren Jagdgründe geflogen. Und ganz ehrlich: In der Biotonne hätte ich auch nicht wühlen wollen. Also stellte ich einen kleinen Eimer ausschließlich für Eierschalen auf – darin fanden sich verirrte Becher schnell wieder. Und an den Bundespräsidenten gerichtet: Sollte Emmanuel Macron demnächst mit stark ausgebeulten Sakkotaschen verschwinden wollen, wäre ich vorsichtig.