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Die persönlich maximal beherrschbare Komplexität

Vor einigen Monaten haben wir an einem Tag zwei Filialbetriebe besucht. Beide agierten in ihrem Vertriebsgebiet durchaus erfolgreich, obwohl sie grundverschiedene Ansätze verfolgten. Betrieb Nummer 1 hatte ein sehr straffes Konzept. Passte ein Standort nicht dazu, wurde er links liegengelassen. Für Betrieb Nummer 2 gab es eigentlich keine unpassenden Standorte, weil jedes Geschäft individuell optimiert war und so ziemlich jedem Kundenwunsch – mit Nachdruck vertreten durch starke Filialleitungen – entsprochen werden konnte.

Wie gesagt, beide Bäcker konnten nicht über mangelnde Kundennachfrage klagen. Deutlich unterschied sich allerdings die Zufriedenheit in der Führungsetage. Chefin und Chef von Betrieb 1 ruhten in sich selbst. Beide arbeiteten viel, hatten aber nie das Gefühl, dass ihnen ihre Bäckerei über den Kopf wuchs. Der Chef von Betrieb 2 stand dagegen deutlich unter Stress, weil jede Optimierung in den allgemeinen Abläufen für ihn den vielfachen Aufwand von Bäckerei 1 bedeutete. Das erinnerte uns wieder einmal daran, dass es im Bäckerhandwerk eine maximal beherrschbare Komplexität (MBK) gibt, die sehr betriebsindividuell ist. Drei Geschwister, die an einem Strang ziehen, bewältigen souverän eine MBK, die den Einzelkämpfer in den Wahnsinn treiben würde. Im Wettbewerb hat also der Bäcker einen großen Vorteil, der seine persönliche MBK kennt und nicht überschreitet.