Wir haben im Back Journal die schöne Serie „Junge Wilde“, in der wir seit Jahren über mutige Existenzgründer im Bäckerhandwerk berichten. Zu den verbindenden Elementen gehört, dass die jungen Leute nur wenig Geld in Backstube oder Ladenbau investieren konnten. Für professionelle Fotos und Videos vom Team und den Produkten hat es aber fast immer gereicht. Das heißt nicht, dass die kommende Bäckergeneration eitler wäre als ihre Vorfahren. Sie hat nur die Social Media-Gesetze verstanden. Was heute nicht instagrammable ist, findet nicht mehr statt. So war das Geld, das in einen guten Fotografen investiert wurde, gerade bei Newcomern gut angelegt. Wir wissen, was Sie gerade denken: „Tolle Idee. Die 400 Euro, die ein gutes Produktfoto kostet, muss ich aber erst einmal verdienen.“ Gute Nachricht, gerade für Kleinbetriebe: Es kostet nur noch 16 Euro im Monat. Unser Fachredakteur besuchte vor Kurzem eine schöne handwerkliche Bäckerei. Zum Schluss des Besuchs standen noch Fotos von den Neuentwicklungen des Bäckers auf dem Programm. „Keine Sorge, die mache ich schnell für dich“, sagte der Bäcker, zückte sein Handy und knipste schnell die Produkte durch. Entsprechend unbrauchbar sahen die Ergebnisse aus. Unser Fachredakteur machte ein leicht enttäuschtes Gesicht. „Moment, wir sind noch nicht fertig“, beruhigte ihn der Bäcker. Er hatte ein KI-Abo für 16 Euro im Monat abgeschlossen, lud die Bilder hoch, sprach noch einige Anweisungen in sein Smartphone und zurück kamen – Simsalabim – „professionelle“ Fotos mit ansprechendem Hintergrund, die für alle Anwendungen der Bäckerei völlig ausreichend waren. Wir haben also eine gute Nachricht für Kleinbetriebe: Für schöne Produktfotos braucht man keinen dicken Marketingetat mehr. Allerdings fallen damit auch die Ausreden für einen hässlichen Web- oder Social Media-Auftritt weg.
Wer wenig Zeit hat, kann hier aufhören zu lesen. Für die anderen hätte ich noch ein paar nachdenkliche Zeilen, weil KI natürlich auch die Arbeit von Journalisten berührt. Dabei muss man sich die Arbeit der KI ins Gedächtnis rufen: Sie verbessert nicht das hochgeladene Bild. Vielmehr kreiert sie ein völlig neues Brot, das dem des Bäckers allerdings zum Verwechseln ähnlich sieht. Wir sind also mit wenig Aufwand in der Lage, uns die Welt so zu machen, wie sie uns gefällt. Bekanntlich erliegen dieser Versuchung sogar die reichen Kollegen vom öffentlich-rechtlichen Nachrichtenfernsehen. Unter normalen Umständen würden sie damit ihr eigenes Geschäftsmodell zerstören – so wie ein Bäcker, der ein Walnussbrot ohne Walnüsse verkauft. Nun sind ZDF und Co. mit Pflichtgebühren gesegnet und können sich diese Arbeitsweise erlauben. Wir leider nicht. Sehen Sie uns also bitte nach, dass wir für Reportagen weiter mit unhandlichen Geräten hantieren und die abgebildete Realität manchmal nicht mit der schönen KI-Welt mithalten kann. Dafür hat sie etwas mit der Wirklichkeit zu tun. Womit nicht gesagt ist, dass Sie die KI-Chancen nicht nutzen sollten. In die April-Ausgabe des Back Journal nehmen wir jedenfalls ein Fachthema „Professionelle Produktfotos dank KI”.