Spätestens seit der letzten Bundestagswahl wissen wir: Links und Rechts werden stärker, in der Mitte wird die Luft dünner. Dabei liegt gerade da oft die Wahrheit. Extreme Positionen in Politik und Gesellschaft gewinnen durch emotionale Argumente, nicht durch sachliche Auseinandersetzung. Genau die braucht es aber, um gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, nicht gegeneinander. So durfte ich mit Verwunderung die aktuelle Pressemitteilung unseres „Sozialpartners“ lesen – der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Nur nochmal zur Erinnerung: Die NGG vertritt zwar unter anderem die Lebensmittelindustrie, schwerpunktmäßig sind es aber auch die Betriebe des Bäcker- und Fleischerhandwerks sowie des Hotel- und Gaststättengewerbes. Da wundert es, mit welchen Argumenten die NGG ihre erwartbaren tarifpolitischen Forderungen (vier bis sechs Prozent mehr Lohn, verbesserte Bedingungen für Azubis) untermau- ert. Wörtlich steht in der Pressemitteilung: „Die NGG kritisiert, dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinandergehe. Während Sozialleistungen gekürzt und Sanktionen gegen Bürgergeldempfänger*innen verhängt werden, wächst das Vermögen der Überreichen immer weiter.“ Was soll dieses Argument im Zusammen- hang mit den tarifpolitischen Empfehlungen, wenn nicht Emotionen schüren? Wenn alle von einer wettbewerbs- fähigen Wirtschaft profitieren sollen, dann gibt es für die NGG wohl keinen besseren Partner als Handwerk und Mittelstand. Ich kann diese „Überreichen“ in der Bäckerwelt nicht erkennen, dafür müssten wir in andere Sphären aufsteigen. Und ob Sozialleistungen gekürzt oder Sanktionen gegen Bürgergeldempfänger verhängt werden, steht, soweit ich weiß, auch nicht in unserer Macht. Es wäre doch schön, wenn wir trotz mancher Fehlentwicklung am gemeinsamen Ziel arbeiten: einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft, die unser aller Wohlstand sichert. Das gelingt sicher nicht mit deplatzierten, emotional aufgeladenen Argumenten.