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Fundstücke: Der Sauerteig und die Teigruhe

Lange Teigruhezeiten fördern bekanntlich nicht nur die Qualität vieler Brotsorten, sie sind auch ein sehr gutes Marketinginstrument des Handwerks. Der Begriff „Teigruhe“ ist inzwischen zumindest beim interessierten Teil der Verbraucherschaft positiv besetzt. Das haben die großen Wettbewerber aus der Industrie natürlich auch mitbekommen, manche versuchen auf den Zug aufzuspringen. Aber wie kann das gelingen, wenn man die Kapazitäten in der Produktion nicht hat und nicht direkt schwindeln möchte? Die Lösung fanden wir – fachlich und sprachlich gar nicht dumm gemacht – bei einem großen Handelskonzern mit eigener Bäckerei. Dort ist auf der Website über die eigenen Brote zu lesen: „Insbesondere die lange Teigruhe für den Sauerteig von mindestens 20 Stunden sorgt für hohe Qualität und erhält die Frische des Produkts.“ Teigruhe klingt positiv. Sauerteig ebenfalls. Warum nicht beides verbinden, auch wenn die Fermentationszeit beim Sauerteig ja eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist? Qualitätsbewusste Handwerksbäcker werden das mit einem „Mer muss och jünne künne“ (Für alle Nicht-Kölner: „Man muss auch gönnen können.“) zur Kenntnis nehmen – und sich Gedanken machen, wie man dem Verbraucher den Begriff Teigruhe noch etwas besser erklärt.