Wahrscheinlich haben Presse, Funk und Fernsehen ihren Anteil daran: Viele Menschen denken beim Thema Existenzgründung im Bäckerhandwerk an die Brotapotheken in großen deutschen Städten. In den Läden wird in aller Regel ein sehr schmales Sortiment von (hoffentlich) sehr hoher Qualität zu sehr hohen Preisen verkauft. Die Kundschaft ist speziell und bereit, für gutes Brot richtig viel Geld auszugeben. So weit, so schön für alle Beteiligten.
Jetzt muss man aber sehen, dass es sich bei einem guten Teil der rund 400 Neugründungen im Bäckerhandwerk um ganz „normale“ Bäckereien handelt. Idealerweise ist das Sortiment gestrafft, grundsätzlich sieht man sich aber als Vollsortimenter. Die Qualität ist sehr gut, die Preisgestaltung aber so, dass Otto Normalverbraucher hier noch einkauft. Und natürlich darf man dem Bäcker und seinem Team bei der Arbeit zusehen. Dieser Typ von Neugründungen begegnet uns eher auf dem Land oder in kleinen Städten – und steht vielleicht deshalb nicht so im Fokus der Hauptstadtpresse. Wir freuen uns über diese „normalen“ Bäckereien mindestens genau so wie über die Brotapotheken. Zeigen sie doch, dass das klassische Handwerk mit einem breiten Zielgruppenansprache ebenso zukunftsfähig ist.
Deshalb an dieser Stelle ein kleiner Reisetipp. Wenn Sie sich mit dem Gedanken tragen, eine eigene Bäckerei zu eröffnen: Schauen Sie sich nicht nur die bekannten Brotapotheken an, sondern auch die „normalen“ Gründungen. Eine besonders schöne liegt bei Jülich, hört auf den Namen Felix Backhandwerk, wird im Juni-Back Journal vorgestellt und ist außerdem noch über die A44 (Abfahrt 8, Jülich Ost) leicht zu erreichen. Bäckern mit Kleinbetrieb, sei ein Besuch übrigens ebenfalls empfohlen – einfach, wenn sie etwas Aufmunterung im Wettbewerb mit Handel und großen Filialbetrieben brauchen. Das Geschäftsmodell Einzelbäckerei kann weiter wunderbar funktionieren.