- Bäckerwelt - https://baeckerwelt.de -

Kein Grund umzusteigen

Die unvermittelt erfolgte Schließung der Zuckerbäckerei Moriz aus Wien wäre keine Meldung wert, wenn sich aus ihr nicht Schlussfolgerungen über die Perspektiven veganer Backwaren ableiten lassen würden. Das Unternehmen war erst vor einem halben Jahr, am 20. Juni 2024, gestartet. Der Anspruch war hoch; vom Online-Portal Gastro News wurde sie als „Zuckerbäckerei und Lebensmittelmanufaktur spezialisiert auf die Entwicklung, Erzeugung und den Vertrieb von höchstqualitativen, rein pflanzlichen Produkten“ bezeichnet. Gründer Paul Nähr (29) hatte vorgehabt, mit seinem Konzept die Wiener Kaffeehauskultur neu zu beleben. Und zwar „mit der richtigen Ernährung“, also veganen Croissants, Plundern und Topfengolatschen. Er richtete in der Mariahilfer ein kleines Café ein, an das sich eine sehr große Produktionsstätte anschloss, stellte 25 Mitarbeiter ein – darunter eine Konditormeisterin, eine Lebensmitteltechnologin und eine Nachhaltigkeitsexpertin – und entwickelte in zwei Jahren sein Sortiment. Ziel war es nicht vorrangig, die Gäste im Café damit zu bewirten, sondern „viele tausend Stück“ an Hotels und andere Wiederverkäufer zu liefern. Die Preise, die man schließlich aufrief, waren naturgemäß nicht gerade niedrig. Auf Instagram hat man sich nun (vorläufig) verabschiedet, bleibt aber genauere Erklärungen für die Gründe schuldig. Die Vermutung, dass Investoren die Geduld verloren haben, ist nicht abwegig. Die Zeit ist offensichtlich nicht reif für die massenhafte Verbreitung von Backwaren, die „nachhaltig, pflanzlich, innovativ“ sind. Und die Zweifel bleiben, dass sie es jemals wird. Denn wenn der Preis zu hoch ist, besteht für Verbraucher keine Veranlassung, auf sie umzusteigen. Nicht einmal dann, wenn sie von hoher Qualität sind.

Benno Kirsch
Redakteur