In der Diskussion rund um den Klimaschutz geht es immer wieder um Kipppunkte. Gemeint sind Schwellenwerte, nach deren Überschreitung es kein Zurück mehr gibt. Die darauffolgenden Veränderungen verstärken sich oft gegenseitig und sorgen sogar noch für eine Beschleunigung der Entwicklung. Mit Blick auf die Bezahllandschaft im deutschen Einzelhandel haben wir den Kipppunkt hin zu digitalen Möglichkeiten bereits überschritten. Die Bargeldgletscher schmelzen unaufhaltsam. Die Händler nutzen die Infrastruktur zur Bargeld Ver- und Entsorgung immer weniger. Die Werttransportunternehmen und Kreditinstitute bauen daraufhin Kapazitäten ab und brauchen ihrerseits die Unterstützung der Bundesbank immer seltener. Also baut auch die Bundesbank ihre Standorte ab. All diese Entwicklungen sorgen dafür, dass Bargeldhandling teuer wird. Was es für Händler noch unattraktiver macht. Göing und Steinecke sind prominente Beispiele für Betriebe, die bereits mit bargeldlosen Filialen experimentiert und die Ak- zeptanz beim Kunden abgeklopft haben – noch ist die Zeit nicht reif (lässt man einige kleine Konzepte mal außen vor, etwa in Berlin), aber die bargeldlosen Filialen werden kommen. Auch bei einer großen Handelskette für digitale Endgeräte ist die Bargeldzahlung nicht mehr möglich. In einer von der Deutschen Bundesbank beauftragten Publikation zur Zukunft des Bargeldes stellen die Autoren fest: „Bargeld könnte deshalb in Zukunft einen seiner zentralen Vorteile an die unbaren Zahlungsmittel verlieren – seine Kommunikationsstärke. Während Kundinnen und Kunden sowie Händlerinnen und Händler heutzutage nicht darüber kommunizieren müssen, ob Barzahlung möglich ist, könnte dies in Zukunft notwendig werden.“ Ob man diese Entwicklung nun begrüßt oder skeptisch ist: Bleibt eigentlich nur die Frage, welche Methode sich in Zukunft durchsetzt. Die Girocard steht gut da, wird jedoch langsam von Maestro und Visa verdrängt. Der digitale Euro ist aktuell noch ein theoretisches Konstrukt, könnte für Händler aber vergleichsweise geringe Kosten bedeuten. Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich: Die Initiative „Bargeld zählt“, unterstützt vom Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks, schafft es, dem Bargeld zu einem zweiten Frühling zu verhelfen. Etwa indem die Handling- Kosten gesetzlich gedeckelt werden. Bis dahin bleibt den Betrieben nur eins: Zu überprüfen, ob der eigene Umgang mit den Zahlungsmitteln noch zeitgemäß ist. Das kann beispielsweise bedeuten, die Kartenzahlungen weiter zu incentivieren. Je geringer der Bargeldbestand, desto eher lassen sich Stellschrauben drehen. Etwa die, dass Bargeldbestände nicht mehr in der Filiale gezählt werden, sondern das nur noch zentral geschieht. Ansonsten heißt es abwarten, was uns der Klimawandel noch so bringt.