Kennen Sie auch diesen einen Mitschüler, der damals nach der Klausur das Klassenzimmer verließ und dem bei einem Gespräch mit seinen Kameraden kreidebleich bewusst wurde: Er hatte die Fragen auf der Rückseite der Klausur übersehen. Nun ja, in meinem Fall war ich dieser eine Schüler. Bei einer Prüfung war ich derart konzentriert auf die Aufgaben, die vor mir lagen, dass ich in meinem Tunnel einfach vergaß, das Blatt umzudrehen. Ich konnte mir nicht erklären, wie mir so ein unnötiger Fehler unterlaufen konnte. Warum ich Ihnen davon erzähle? Dieser Moment aus meiner Schulzeit fiel mir wieder ein, als ich für diese Ausgabe mit dem amtierenden deutschen Brewers-Cup-Sieger Luthfan Satrio Pradipto sprach (siehe Porträt ab Seite 20). Er erzählte mir von seinem allerersten Brewers-Cup-Wettbewerb: Unverkrampft und ergebnisoffen ging er an die Sache heran – und belegte prompt den zweiten Platz. Ein beeindruckendes Ergebnis, das dazu führte, dass er im darauffolgenden Jahr unbedingt gewinnen wollte. Aus gesundem Ehrgeiz wurde Verbissenheit. Er konzentrierte sich so auf das Finish, dass er schon in der ersten Runde eine einfache Sache vergaß: seinen Timer. Die Folge: Strafpunkte bei Overtime. Vielleicht kennen Sie ähnliche Situationen: Sie wollen unbedingt etwas erreichen – und stehen sich dann selbst im Weg. Oder Sie beeilen sich extra, woraufhin Dinge in der Hektik schiefgehen, die Ihnen sonst wohl nicht passiert wären. Ehrgeiz und Zielstrebigkeit sind wichtige Treiber des Erfolgs, aber sie dürfen nicht dazu führen, dass wir den Blick für das Wesentliche verlieren. Manchmal ist der Druck, den wir uns selbst auferlegen, kontraproduktiv. Es ist nicht immer einfach, sich dazu zu zwingen, die Dinge entspannter zu sehen – besonders wenn man große Ziele hat.