Der Mann ist für Überraschungen gut: Vor einer Woche moderierte Bernd Kütscher noch so, als ob nichts wäre, das 8. Weinheimer Brotforum. Heute, am 10. Februar, kam dann die offizielle Nachricht, dass Kütscher Ende Mai die Leitung der Bundesakademie abgeben wird, um sich ab Juni neuen Herausforderungen zu stellen. Bäckerpräsident Roland Ermer: „Mit Herrn Kütscher konnte die Akademie ihr Ansehen in der Branche auf ein höchstes Niveau heben. Heute steht die Bundesakademie Weinheim für eine zukunftsfähige Branche mit exzellent ausgebildeten Fachkräften. Wir bedauern die Entscheidung von Herrn Kütscher sehr, verstehen aber auch seinen Wunsch nach Veränderung.“
Einen Nachfolger für Kütscher hat der Zentralverband noch nicht präsentiert. Die Liste seiner Verdienste ist lang und Sie haben sicher schon an anderer Stelle davon gelesen. Deshalb hier kurz die Zusammenfassung: Als Kütscher 2006 nach Weinheim kam, galt die Bundesfachschule unter der Hand als „Geldgrab des deutschen Bäckerhandwerks“. Nicht zuletzt Eifersüchteleien in der Verbandsorganisation hatten dafür gesorgt, dass Weinheim kein besonderer Stellenwert zukam. Kütscher hatte dann nicht nur viele gute Ideen, sondern konnte sie – ausgestattet mit einer guten Portion Selbstbewusstsein – auch noch durchsetzen. So ist Weinheim heute nicht mehr nur eine Fachschule, sondern für eine Generation von Bäckermeistern Quelle ihres Selbstverständnisses. Altmodisch könnte man durchaus von Berufsstolz sprechen. Kütschers Nachfolger wird in große Fußstapfen treten. Wenn er etwas kleinere Schritte macht, ist das aber vielleicht gar nicht so schlimm. Die ein oder andere Fachschule im Land lag in den vergangenen Jahren angesichts der Dominanz von Weinheim ja im Dornröschenschlaf. Vielleicht erkennt man nun dort wieder die eigenen Chancen. Stärke des deutschen Bäckerhandwerks ist bekanntlich seine Vielfalt.