Die Branche hat es zurzeit nicht einfach: Zum einen wird die Lage in den Kaffeeanbauländern immer angespannter – was sich sicherlich im Kaffeepreis bemerkbar machen wird. Zum anderen gibt es immer noch das leidige Problem mit den fehlenden Mitarbeitern in der Gastronomie. Einige Betriebe setzen daher auf vollautomatische Helfer. Und während manch einer den Siebträger doch lieber durch Vollautomaten ersetzt, gehen andere einen Schritt weiter und überlassen dem Kunden ganz das Drücken der Maschinentasten. Im Gegenzug müssen Cafégäste jedoch bereit sein, auf den Service zu verzichten. Es geht immer um die Akzeptanz der Kunden. Wer Besuchern statt Selbstbedienungsecken Kundenerlebnisse bieten will, braucht Ideen. Und die können mal mehr, mal weniger spektakulär ausfallen. Keine Speisekarte, keine Tischdecken, keine festen Preise: Was im ersten Moment gewöhnungsbedürftig klingt, scheint jedenfalls in Amsterdam und Rotterdam zu funktionieren – genauer gesagt im Restaurant Pesca. Kunden sollen sich fühlen wie auf einem Markt, wo Sie frischen Fisch und Beilagen auswählen. Dazu kommt eine dynamische Preispolitik: Je nach Verfügbarkeit senken die „Fischhändler“ die Preise im Laufe des Tages, „um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren“. Nun möchte ich an dieser Stelle gar nicht zu viel über Fisch schreiben. Das Beispiel zeigt aber: Marketingstrategien, die mit der Norm brechen, erregen Aufmerksamkeit. Ihre Cafékunden mögen es womöglich klassischer. Bieten Sie ihnen zum Beispiel ein richtig gutes Storytelling und konzentrieren Sie sich dabei auf eine besonders spannende Anekdote vom Kaffeefarmer oder von Ihrer eigenen Reise nach Guatemala. Oder servieren Sie Filterkaffee in einer Stempelkanne, bei der Kunden am Tisch das Sieb nach einigen Minuten selbst langsam herunterdrücken. Ein paar Handgriffe können Sie dem Gast schließlich ruhig überlassen – wenn er dabei wenigstens was erlebt.