- Bäckerwelt - https://baeckerwelt.de -

Mehrwertsteuer – Zeit für das „Geschirrgeld”?

Die Dehoga, aber auch die Interessenvertretungen von Konditoren und Bäckern, sind mit ihrer „7 Prozent muss bleiben”-Kampagne gescheitert. Die Bundesregierung setzt die Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie wieder auf 19 Prozent. Gehen wir davon aus, dass das Bäckerhandwerk knapp 15 Prozent seines Umsatzes mit Im-Haus-Gastronomie macht, wird die Branche um eine Neukalkulation nicht herumkommen.

Das dürfte insbesondere die Frühstücke betreffen, die in den meisten Bäckereien von den Kunden sehr geschätzt werden, bei Mitarbeitern wie Steuerberatern aber nicht immer im gleichem Maße beliebt sind. Bei Kuchen und Snacks stellt sich die Frage, ob nicht spätestens jetzt die Zeit gekommen ist, Im-Haus- und Außer-Haus-Preise einzuführen. Die aktuelle Diskussion hat die Mehrwertsteuerfrage in das Bewusstsein der Konsumenten gerückt. Man muss bei einer Einführung also nicht mit unglückseligen Begriffen wie „Geschirrgeld” argumentieren, sondern kann das Kind beim Namen nennen.

In Zeiten gesteigerter Preissensibilität der Verbraucher erhöht kein Bäcker gern die Preise. Die Dimension der Steuerbelastung ist allerdings so, dass die Branche nicht darum herumkommen wird. Wir finden es sinnvoll, die Preisanpassungen verursachergerecht umzusetzen. Gerade beim Brot erlebt die Branche – abgebremst durch Corona – seit Jahren einen deutlichen Mengenrückgang. Hauptursache dürfte die Preisschere zwischen Handwerk und Industrie sein. Eine Quersubventionierung des Café-Umsatzes durch die Backwaren wird da immer fragwürdiger. Glück im Unglück: Die Mehrwertsteuererhöhung trifft – mit Ausnahme der Lieferdienste – die gesamte Gastronomie. Das Bäckerhandwerk ist also immerhin nicht Opfer einer Wettbewerbsverzerrung. Und die Branche ist bei den Alternativangeboten durchaus konkurrenzfähig. Wir wissen leider nicht, welcher Bäcker das belegte Brötchen erfunden hat. Er hat sich aber um das Bäckerhandwerk verdient gemacht.