Man kann nicht sagen, dass es in Deutschland keine Boombranchen mehr gäbe. Der Staatsdienst zum Beispiel trotzt Rezession und einer stagnierenden Produktivität völlig unbeeindruckt und erweist sich weiter als Wachstumsmodell. 2024 wurde mit 5,4 Millionen Beschäftigten – immerhin knapp zwölf Prozent aller Arbeitnehmer – ein neuer Allzeitrekord erreicht. Der wäre noch eindrucksvoller ausgefallen, wenn die Menschen, die in den Jobmaschinen der vergangenen Jahre – staatlich-bezahlte-nicht-staatliche-Organisationen – ein Auskommen gefunden haben, mitgezählt würden. So kann man fast verstehen, dass sich die Politik dieses Beschäftigungs-Erfolgsmodell nicht zerstören lassen will und alle Vorschläge zum Bürokratieabbau elegant versanden lässt. Und falls die Bürokratiebekämpfer doch einmal einige Kleinsterfolge feiern können? Keine Sorge, dann schlägt die Brüsseler Eurokratie mit voller Wucht zurück. Sind Sie mit Ihrer Bäckerei bisher zum Beispiel unter den Berichtspflichten des deutschen Entgelttransparenzgesetzes geflogen, weil Sie weniger als 500 Mitarbeiter beschäftigten? Seien Sie beruhigt, diese Nichtbeachtung hat spätestens im Juli 2026 ein Ende. Bis dahin muss nämlich die neue EU-Vorgabe zum Entgelttransparenz in deutsches Recht umgesetzt sein, und die sieht umfangreiche Berichtspflichten ab 100 Beschäftigten vor. Diese Berichte müssen dann wieder intensiv von jemandem geprüft werden, die letzte deutsche Boombranche ist also nicht in Gefahr. Stellt sich nur noch die Frage, ob sich das Bäckerhandwerk nicht irgendwie an dieses Wachstumsmodell andocken kann? Wir hätten da sogar eine Idee, verraten Sie sie aber nicht weiter: Sehen Sie doch in Ihren Fachgeschäften Platz für eine Meldestelle vor. Irgendwas mit Anti-Diskriminierung oder so. Merkwürdig, dass bisher noch kein Ladenbauer auf diese naheliegende Idee gekommen ist.