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Töchter an die Macht

Bäckersterben. Ein Wort, vor dem viele zurückschrecken und das in unserer Redaktion eigentlich tabu ist. Dennoch ist der Rückgang der Betriebe traurige Realität und geht uns alle an. Die einen schaffen es nicht, sich am Markt zu behaupten. Andere wiederum finden keinen Nachfolger. Oder keine Nachfolgerin. Und müssen dann die Pforten ihrer Bäckerei für immer schließen. Da erstaunte es mich schon, als neulich ein Betriebsinhaber vollkommen unverfroren zu mir sagte: „So eine Bäckerei zu führen, ist nichts für Frauen. Spätestens wenn Kinder da sind, ist das nicht mehr zu schaffen.“ Ein Satz, der mich für Sekunden sprachlos machte. In meinem privaten Umfeld nahmen mehrere Väter Elternzeit, einige tragen den Nachnamen ihrer Frau, viele leben gleichberechtigte Partnerschaften, in denen die Hausarbeit wahlweise geteilt oder an Dienstleister delegiert wird. Offensichtlich lebe ich auf einer Insel der Glückseligen. Nun, möglicherweise verlangt die selbständige Betriebsführung einer Bäckerei aber auch weit mehr als das, denken Sie vielleicht. Kann jemand wie ich das wirklich beurteilen? Ich denke schon. Zum Beispiel fallen mir viele, wagemutige Frauen ein, die während und nach dem Zweiten Weltkrieg Bäckereien am Laufen hielten, deren Inhaber an die Front mussten und manchmal gar nicht zurückkehrten. Die Bäckerei Immerath aus Elsdorf ist so ein Fall, von dem in der aktuellen Ausgabe des DBZ Magazins berichtet wird. Dererlei Beispiele gibt es viele. Vor wenigen Monaten besuchte ich eine alleinerziehende Zweifach- Mutter, die ihre Bäckerei mit viel Elan aus einem Tal zum Erfolg führte. Wir berichteten darüber in unserem Filialmanagement- Ortstermin. Und was ist mit all den Verkaufsleiterinnen und Geschäftsführerinnen, die einen fantastischen Job machen und dabei Familie und Beruf vereinen? Da stellt sich doch mit dem Blick auf die Marktzahlen eindeutig die Frage, liebe Betriebsinhaber: Können Sie sich eine solche Haltung wie die oben zitierte überhaupt leisten? Warum hören Sie nicht auf zu klagen und entwickeln stattdessen agile Führungsmodelle? Sorgen Sie für neue Organisationsstrukturen, schaffen Sie Lösungen! Es gibt Betriebe, die mit einer gemischten Doppel- oder Dreifachspitze hervorragende Ergebnisse erzielen. Und, by the way, eine Studie von McKinsey&Company belegt, dass echte Diversität auf allen Ebenen im Unternehmen eine bis zu 50 Prozent höhere Rendite zur Folge hat. Darüber hinaus fand das Peterson Institute for International Economics in Washington heraus, dass ein um 30 Prozent höherer Frauenanteil in der Führungsetage mit einem Netto-Umsatzplus von etwa 15 Prozent einhergeht. Unterschätzen Sie die Frauen also nicht, wertschätzen Sie sie lieber. Das zahlt sich letztlich für alle aus.