- Bäckerwelt - https://baeckerwelt.de -

Von Mettstationen und Eibrötchen

Zu den Vorteilen, die man kleineren Betrieben in der Regel zuschreibt, gehört die genaue Kenntnis der lokalen Verhältnisse. Mit etwas Glück lassen sich so die Kostenvorteile kompensieren, die die größeren Kollegen durch eine gut automatisierte Produktion genießen. Einen sehr schönen Beweis für diese These haben wir jetzt in Gestalt der Bäckerei Pleus in Lähden aus dem Emsland gefunden. Das Hauptgeschäft von Sebastian Pleus liegt an der Hauptstraße des kleinen Ortes. Schon früh am Morgen ist hier viel los: Handwerker sind auf dem Weg zur Arbeit, und Fernfahrer gehen auf Tour. So öffnet das Geschäft schon um vier Uhr, und beim Betreten bietet sich ein beeindruckendes Schauspiel. Immerhin sieben fleißige Verkäuferinnen – fünf vorne, zwei im Hintergrund – stehen im Laden an diversen Stationen und belegen Brötchen. Auch für die drei anderen Standorte von Pleus, zuerst aber für das Hauptgeschäft. Es gibt eine Eibrötchenstation, eine Mettstation, vor allem aber müssen die Abläufe ineinandergreifen. Schließlich haben die acht Handwerker im Kleinbus trotz aller Sonderwünsche nicht 20 Minuten Zeit, bis auch der letzte Kollege abgefertigt ist. Organisationstheoretisch gesehen haben wir also das Beispiel eines flexiblen Postensystems on demand vor uns. Pleus ist übrigens nicht nur Bäckermeister, sondern auch Fleischer. Entsprechend gibt es in seinem Hauptgeschäft eine veritable Fleischtheke und das frischeste und beste Mett weit und breit – was dem Umsatz der Handwerkerbrötchen am Morgen ebenfalls nicht abträglich sein dürfte. Gegen 7 Uhr kehrt dann langsam wieder Ruhe ein im Dorfladen. Die meisten Mitarbeiterinnen gehen nach Hause, um ihre Ehemänner zu wecken und die Kinder schulfertig zu machen. Und für den Rest des Tages ist Pleus für den Außenstehenden wieder die beschauliche Dorfbäckerei, bei der sich ein oder andere Besucher wundern wird, warum es überall hinter der Theke Belegstationen gibt. Kein Problem, der Bäcker weiß ja warum.