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Weder Schall noch Rauch.

Namen, so heißt es, seien nichts weiter als Schall und Rauch. Damit aber eine allgemeine Vergänglichkeit von Begriffen zu vermuten, ist gefährlich. Das musste im vergangenen Sommer das britische Foodblog „Good Food“ feststellen. Die Blogger hatten das italienische Traditionsgericht „Cacio e Pepe“ vorgestellt – und dabei zu viele und zudem die falschen Zutaten genannt. Der Aufschrei in Italien war groß. Selbst der britische Botschafter in Rom wurde informiert. Man stelle sich vor, die Niederländer hätten sich zum Beispiel an unserem Stollen vergriffen und ihm Saté- Sauce hinzugefügt. Nicht auszudenken. Namen sind weit mehr als Schall und Rauch. Und damit sich doch der ein oder andere im Gedächtnis verfängt, scheint das Friseurhandwerk seit Langem einen inoffiziellen Wettbewerb zu veranstalten: „Wer findet den kreativsten Namen für seinen Laden?“ Was man da schon alles sehen durfte: „Hair Force One“, „Kamm 2 Cut“ oder „Pony & Clyde“, um nur die erfrischendsten Wortspiele zu nennen. Aber auch das Bäckerhandwerk hat längst nicht mehr nur „Backstube“ über der Eingangstür stehen. Heute nennt man sich „Brot und Brüder“, wahlweise auch „Brotschwestern“. Manche mögen es eher romantisch: „Brot & Liebe“ oder „Mehl & Liebe“. Andere sind rustikaler unterwegs. Ich könnte mir vorstellen, dass die „Brotkumpels“ in der „Brotschmiede“ backen – vielleicht aber auch in der „Brotbude“. Oder waren da die „Brotrebellen“ tätig? In jedem Fall brauchen alle einen „Brotraum“, um unserem schönen Handwerk nachgehen zu können. Und zum Frühstück versammeln sich alle bei „Brot trifft Bohne“, um ein gastronomisches Crossover zu zelebrieren. Eine schöne Vorstellung. Dass es mit Namen und Bezeichnungen auch ernster zugehen kann, zeigte zuletzt das EU-Parlament in Straßburg. Hier ging es um die Frage, ob vegane Wurst tatsächlich „Wurst“ genannt werden darf, obwohl ja gar kein Fleisch drin ist. Und ob ein Schnitzel als solches bezeichnet werden darf, wenn dafür kein Tier geschlachtet wurde. Die Antwort lautet: Nein! Sollten die Mitgliedstaaten zustimmen würde es eng für die vegane Wurst. Oder wie es unser Bundeskotelett – eh, unser Bundeskanzler – formulierte: „Eine Wurst ist eine Wurst.“ Man dürfte Schnitzel und Wurst also nur noch so nennen, wenn es sich um das Original handelt – und nicht um eine Raubkopie aus Soja oder Erbse. Genau wie der Haferdrink eben nicht mehr Hafermilch heißen darf. Wenn ich jetzt noch die Scheuermilch ins Spiel bringe, wird es unübersichtlich – und das kann ja keiner wollen. Nebenbei bemerkt: Es soll bei einer großen US-amerikanischen Fastfood-Kette inzwischen sogar einen veganen Burger geben. Einen veganen Burger – so weit sind wir schon. Das ist fast so, als wollten Sie mit Donald Trump über Feminismus, Klimaschutz und Moral diskutieren. Aber zurück: Ich frage mich, warum die Fleischindustrie so viel Wert auf die Begrifflichkeiten legt. Glauben die tatsächlich, dass der Verbraucher den Unterschied zwischen konventionellem und veganem Schnitzel nicht auf den ersten Blick erkennt? Zumal es im Interesse beider Anbieter liegt, sich möglichst klar voneinander abzugrenzen. Welche Motive hinter dem Drängen der Fleischlobby stecken, die vegane Wurst nicht „Wurst“ nennen zu dürfen, bleibt Spekulation. Sicher ist hingegen: Vegane Ersatzprodukte erhalten derzeit kostenlos mediale Aufmerksamkeit. Mir bleibt nur anzumerken, dass Brot und Backwaren meist schon immer vegetarisch, vielfach sogar vegan sind. Nur bei klassischen Laugenbrezeln, Buttercroissants und halben Mettbrötchen wäre ich skeptisch.