Auf der Suche nach einem Nachfolger

Auf der Suche nach einem Nachfolger

05.05.2019 | Trond Patzphal

Der Verband des Rheinischen Bäckerhandwerks ist einer der großen Bäckerverbände in Deutschland. Er ist finanziell stabil aufgestellt und hat mit Bernd Siebers einen Landesinnungsmeister, der mit seinem Betrieb und seinem Auftreten für das moderne Bäckerhandwerk steht: sauber, eloquent und mit seinen Söhnen für die Zukunft gerüstet. Und dieser Verband hat einen Ehrenlandesinnungsmeister, nämlich Hans Bolten, der sich zurechnet, den Verband finanziell so stark aufgestellt zu haben. Bolten hat eine sehr erfolgreiche Bäckerei in Duisburg gegründet – das macht selbstbewusst! Was dieser Verband in den letzten Jahren nicht geschafft hat, war die Verbände Westfalen und Rheinland zu fusionieren. Das ist bedauernswert, weil beide Verbände in den letzten 25 Jahren mehr als die Hälfte ihrer Betriebe verloren haben. Bernd Siebers ist das Scheitern der Fusion nicht zuzurechnen, er hat das Nichtgelingen persönlich genommen und war darüber sehr enttäuscht. Aber er konnte sich gegen seinen Vorstand und seinen Ehrenlandesinnungsmeister nicht durchsetzen. Damit hat sich das Bäckerhandwerk in Nordrhein-Westfalen geschwächt. Die Rheinländer haben jetzt auch Nägel mit Köpfen gemacht, der Nachfolger von Geschäftsführer Dohr wurde gefunden, damit ist eine Fusion in weite Ferne gerückt. Bernd Siebers wäre sogar noch weitere drei Jahre Landesinnungsmeister geblieben, aber der Vorstand war der Meinung, dass sich der Landesinnungsmeister um den freiwerdenden Platz im Präsidium des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks bewerben muss. (Der Landesinnungsmeister der Westfalen, Heribert Kamm, scheidet im September aus dem Präsidium und sein Platz wird frei.) Bernd Siebers konnte sich aber aus persönlichen Gründen nicht vorstellen, regelmäßig nach Berlin zu fahren, um an den Sitzungen des ZV teilzunehmen. Er wäre sicher ein guter Kandidat gewesen. Jörg von Pohlheim muss während seiner Tätigkeit im Vorstand mit Qualitäten geglänzt haben, die den Vorstand dazu brachten, ihn zum Nachfolger von Bernd Siebers vorzuschlagen. Und zwar als einzigen Kandidaten für die Wahl im Mai. Von Pohlheim ist 2012 in den Vorstand eingetreten. Damals war er Nachrücker der FDP im Bundestag – und der Vorstand der Rheinländer zierte sich mit einem Politiker, der im Bundestag sitzt. Er stellt sich jetzt zur Wahl, weil kein anderes Vorstandsmitglied bereit ist, sich zum Landesinnungsmeister wählen zu lassen. Aber sollte ein Nachfolger von Siebers nicht noch so im Geschäft sein, dass er um die Probleme der Zukunftsbetriebe des Bäckerhandwerks Bescheid weiß? Und da möchte ich betonen, dass es hier nicht um filialisierende oder Einzelbetriebe ohne Filiale geht – wir kennen im Rheinland auch sehr erfolgreiche Einzelbetriebe, die wissen, wohin sich das Bäckerhandwerk entwickeln muss, wenn es nicht wie das Konditoren- oder Metzgerbeziehungsweise Fleischerhandwerk enden will. Der zukünftige Landesinnungsmeister der Rheinländer sollte aber vielleicht doch mehr als nur sich und einen Mitarbeiter beschäftigen (Quelle: Creditreform), wie der Betrieb von von Pohlheim. Wie soll aus dieser wirtschaftlichen Position die Zeit kommen, um sich um die Interessen des Bäckerhandwerks zu kümmern und gleichzeitig einen Betrieb zu leiten? Der Verband Rheinland hat tolle Betriebe in seinen Reihen. Es wäre gut gewesen, wenn man in den letzten Jahren Gespräche mit dem einen oder anderen geführt hätte, um sie für eine Vorstandsarbeit zu begeistern. Es könnte nur sein, dass dann auch eine etwas kritischere Gesprächskultur in den Vorstand eingezogen wäre… Aber: Widerspruch muss ja nichts Schlechtes sein.


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