Gemeinsam statt einsam

Gemeinsam statt einsam

10.02.2026 | Laura Wittland

Mehr Fleiß, weniger Faulenzen. Der Ausdruck „Lifestyle-Teilzeit“ aus dem Hause CDU erhitzt aktuell die Gemüter. Für die Forderung aus dem eigenen Wirtschaftsflügel, der grassierenden Arbeitsmüdigkeit einen Riegel vorzuschieben, hagelt es seit Tagen Kritik. Auch Politiker aus CDU und CSU sprechen sich nun gegen den Vorstoß aus. „Der Antrag und seine verunglückte Wortwahl gehen am Kern der Debatte vorbei“, so CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann gegenüber der Rheinischen Post. Die Idee der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT), deren Vorsitz die ehemalige Brotbotschafterin Gitta Connemann innehat: den gegenwärtigen Rechtsanspruch abschaffen und Teilzeit nur noch bei „Vorliegen einer besonderen Begründung“ zulassen, so die Tagesschau. Care-Arbeit sei demnach ein triftiger Grund, die individuelle Work-Life-Balance dagegen ein rotes Tuch. Auch wenn die Union nicht geschlossen hinter den Plänen der MIT steht, im Kontext unlängst angestoßener Debatten, das Land arbeite nicht genug und sei zu oft krank, hat der aktuelle „Lifestyle-Fauxpas“ durchaus einen Beigeschmack. Hier kommt einem die goldene Regel gelungener Kommunikation in den Sinn: auf Augenhöhe, nicht von oben herab. Zudem blickt die Debatte nur auf die Spitze des Eisbergs. Fehlende Kita-Plätze, Zusatzbelastungen durch Betreuung und Pflege von Angehörigen, starre Arbeitszeitmodelle – die Gründe für Teilzeitarbeit sind ebenso vielseitig wie komplex. Hier braucht es konstruk- tive, alltagstaugliche Lösungen und Anreize für Vollzeitarbeit, keine Verbote und Bestrafungen. Man möchte an dieser Stelle die CDU und ihre Wahlplakate der letzten Bundestagswahl zitieren. „Für ein Land, auf das wir wieder stolz sein können“ – auf dem Weg zu einem kollektiven „Wir“ braucht es ein „gemeinsam“, kein „einsam“.


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