Informationsfluss

Informationsfluss

26.05.2019 | Dirk Waclawek

Seit mehr als 20 Jahren darf ich in dieser schönen Branche arbeiten. In den ersten Jahren war unser Verlag noch im Haus eines Bäckerinnungsverbandes untergebracht und dort konnte man regelmäßig ein merkwürdiges Ritual beobachten: Aus Bonn flatterten die Rundschreiben vom Zentralverband des deutschen Bäckerhandwerks mit Informationen für die Betriebe ins Haus. Aufgabe einer Sekretärin war dann, die Rundschreiben neu zu verfassen und mit dem Briefkopf des Verbandes zu versehen. Dann wurde der neue Brief einige Dutzend Male ausgedruckt, eingetütet und an die Kreishandwerkerschaften verschickt. Dort wurde der Inhalt wahrscheinlich wieder neu erfasst, mit dem Logo der regionalen Innung versehen, kopiert, versandt und irgendwann bekamen die Bäcker dann Post von ihrer Kreishandwerkerschaft – mit hoffentlich noch nicht ganz veralteten Informationen. Zeitsprung: Auf dem Unternehmertag des Bäckerinnungsverbandes Rheinland berichtete Präsident Michael Wippler, dass zu den Reformprojekten, die jetzt angestoßen werden sollen, die Direktinformation der Mitglieder gehöre. Wippler warb dafür mit dem Hinweis, dass der Zentralverband die direkte Kommunikation zu den Bäckern natürlich nur suchen würde, wenn es sich um bundesweit relevante Themen handelt. Ich fragte den Präsidenten nach seiner Rede, ob das jetzt abgemachte Sache sei. Wippler schaute etwas gequält. Nein, beschlossen sei es noch nicht, sondern in der Diskussion. Jetzt hat man in Berlin ja inzwischen den Eindruck, dass wir den Zentralverband bei jeder Gelegenheit schlecht machen möchten. So ist dieser Kommentar aber ausdrücklich nicht gemeint. Wenn dem Zentralverband die vernünftige und vor allem schnelle Information der Innungsbetriebe bisher von seinen Mitgliedern – den Landesverbänden – verwehrt wurde, sollten sich die Bäcker dort und nicht in Berlin beschweren. Über die Duldsamkeit der Bäcker, den internen Bürokratie-Unsinn zu ertragen, habe ich mich schon vor 20 Jahren gewundert. Es ist seitdem nicht besser geworden.


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