In den letzten fünf Jahren wurden mehr als 30 Millionen Euro in die diversen Fachschulen des deutschen Bäckerhandwerks investiert. Außerdem haben Kreishandwerkerschaften viel Geld in moderne Bäckerschulungsräume gesteckt. Schön, wenn man das Geld hat, nicht so schön, wenn man bedenkt, dass hier nur in „Steine“ investiert wurde. Und ob man das Geld wirklich hat, ist nach den Ereignissen rund um die Bäckerfachschule in Lochham, Bayern, zumindest hier noch nicht endgültig geklärt. Der Ansatz in Bildung zu investieren ist richtig, aber über die Art und Weise, wie heute und morgen Wissen vermittelt wird, hat man sich keine wegweisenden Gedanken gemacht. Richtig ist, dass man kneten und walken in Versuchsbackstuben üben und lernen muss. Richtig ist aber auch, dass digitale Lernmodelle das gestrige Lernen ersetzen. Am Rande sehen wir, dass hocherfahrene Fachlehrer vielfach nicht in der gleichen Qualität ersetzt werden konnten, und noch wichtiger, dass die Ausbildung in der Theorie mit der heutigen Praxis in filialisierenden Betrieben nicht mehr viel zu tun hat. Anders als bei den Berufsschulen braucht im Übrigen ein Lehrer an einer unserer Bäckerfachschulen kein besonderes Studium. Bäckermeister langt, nicht alle haben einen Betriebswirt des Handwerks, vielfach fehlt digitale Kompetenz. Verkaufskräfte müssen lernen, wie man als Barista einen Siebträger bedient und benötigen sicherlich auch Fachkenntnisse von Rohstoffen, Unverträglichkeiten und Verkaufspsychologie. Das managen vom Ladenbacken ist auch keine Kleinigkeit und das gab es alles vor 20 Jahren so noch nicht in den damaligen Bäckereien. Bäckermeisterinnen und Bäckermeister sollten nicht nur einen Rosinenzopf flechten können, sondern auch lernen, wie man einen Rohstoffeinkauf managt, Qualitäten und Preise vergleicht. Sie sollten ein Team führen können und brauchen auch Managementqualitäten. Berufsbilder ändern sich. Backen und verkaufen sind heute vielfältiger als vor 20 Jahren, Internet und digitale Lernmodelle, die sogar in Internetprüfungen enden können, sind die Zukunft. Wenn sich hier die Fachschulen und die Wirtschaftsorganisation des Bäckerhandwerks, die Bäkos, einmal zusammen setzen würden, wäre es gut für die Zukunft und das Berufsbild von Bäckern und Verkaufskräften. Beide sollten ihr digitales Wissen einmal austauschen und zusammen Geld in digitales Lernen anlegen. Und wir würden nicht nur Geld in „Steine“ investieren …
Kommentare |




















