Neulich habe ich eine Überschrift in der Zei- tung gelesen, an der ich hängengeblieben bin: „Preise für Lebensmittel steigen oft ohne Grund.“ Die Subhead darunter konkretisierte noch etwas: „Verbraucherschützer: Kein Zusammenhang mit der Krise.“ Diese Aussage macht, vorsichtig formuliert, stutzig. Beispiele für diese These schiebt das Blatt gleich nach und zitiert einen Verbraucherschützer aus Hamburg. Der nennt das Beispiel Milch. Aldi habe den Preis für Bio-Milch um 50 Cent erhöht, nur zehn Cent davon würden jedoch beim Bauern landen – und damit endet die Erklärung. Wer den Artikel liest, könnte nun also dem Verdacht erliegen, dass sich zwangsläufig der Einzelhändler die Taschen vollmacht. Dass des Bauers weißer Rohstoff allerdings nicht wie von Zauberhand direkt in die Regale der Verkäufer fliegt: geschenkt. Ich kenne die Kalkulation von Aldi nicht, aber die Erklärung greift deutlich zu kurz. Ein Blick auf die Website der Verbraucherzentrale relativiert diese Aussage zumindest ein Stück weit. Dort sind viele Faktoren wie Energie- und Personalkosten genannt. Dennoch solle das Bundeskartellamt bei einigen Preissteigerungen genauer hinschauen. Der Vollständigkeit halber: Sollten Händler die Krise wirklich nutzen, um ihre Marge über alle Maßen aufzupumpen, ist das wenigstens moralisch verwerflich. Bei einer Kritik in diese Richtung jedoch alle Lebensmittel in einen Topf zu werfen, ist schlichtweg falsch. Zumal wir in Deutschland nicht unter dem Phänomen leiden, dass wir zu viel Geld für gute Le- bensmittel hinlegen – ganz im Gegenteil. Selbstredend muss das Geld fair bei allen Gliedern der Wertschöpfungskette ankommen. Dabei hilft die pauschalisierte Aussage, dass Lebensmittel durch die Krise nicht teurer werden könnten, aber ganz und gar nicht. Und eine Frage zum Schluss: Über welche der Krisen reden wir hier überhaupt?
Kommentare |




















