Potenziale nutzen

Potenziale nutzen

19.06.2021 | Christian Bremicker

Wann waren Sie eigentlich das letzte Mal bei sich im Keller? Wenn es bei Ihnen so aussieht wie bei so vielen Menschen, auch bei mir, dann dürfte sich da einiges angesammelt haben. Dinge, die zu einem früheren Zeitpunkt in Ihrem Leben mal enorm wichtig waren. Dinge, von denen Sie sich niemals hätten vorstellen können, dass sie irgendwann ihr Dasein im Keller fristen würden. Vergessen, verstaubt und veraltet. Ich könnte auch vieles einfach wegschmeißen – letztlich würde ich es gar nicht merken. Außer vielleicht, weil sich ein merkwürdiges Gefühl der Erleichterung breit machen würde. Allerdings gibt es auch solche Schätzchen, an denen entweder mein Herz hängt, oder solche, die ich vielleicht irgendwann wirklich wieder benutzen werde. Bestimmt. Also höchstwahrscheinlich. Oder, wie meine Frau sagen würde: niemals! Ja, sie hat Recht. Das meiste, was ich die letzten Jahre nicht angefasst habe, werde ich auch in Zukunft nicht brauchen. Das soll eine befreiende Erkenntnis sein – habe ich gehört. Daran sehen Sie, dass mein Keller noch voller Erinnerung steckt – um diesen Zustand einmal romantisch zu beschreiben. Im Schnitt soll ja jeder Deutsche in etwa 10.000 Dinge besitzen. Unsere Vorfahren vor ungefähr hundert Jahren sollen ja noch mit lediglich 180 Besitztümern ausgekommen sein. Zugegeben: Das sind Beobachtungen aus dem privaten Bereich. In Kellern, die zu gewerblichen Räumen gehören, zum Beispiel zu einer Bäckerei, sieht es vielerorts (wahrscheinlich) anders aus. Da wird jetzt im Juni vielleicht die Spekulatiusmaschine stehen und in ein paar Wochen wird dort der Pflaumenentsteiner gesucht werden. Bestenfalls stehen dort Dinge, die man auf jeden Fall wieder braucht. Nicht wirklich oft, aber doch regelmäßig. Schon allein deswegen, weil die Kunden zur Saison danach fragen. Etwas abstrakt betrachtet, steht dort unten Potenzial herum, das immer wieder abgerufen wird. Ein anderes Potenzial, das selten abgerufen wird, steht bei Ihnen hoffentlich nicht im Keller: Ihre Auszubildenden! Meist schon im ersten Lehrjahr, sogar ab dem allerersten Tag in Ihrem Betrieb, verfügen diese jungen Menschen häufig über Fähigkeiten, die Ihnen sehr nutzen könnten. Klar, bäckerspezifische Fertigkeiten wie das Rundwirken von Teigen oder auch das fachgerechte Einpacken der Plunderstücke in einem Hohlpaket gelingen nur durch Übung und selten schon am ersten Tag der Lehrzeit. Aber wie sieht es denn mit Ihren Accounts bei Instagram und Tiktok aus? Haben Sie nicht? Brauchen Sie nicht? Wollen Sie nicht? Oder können Sie nicht? Ich habe da eine Ahnung, wer da vielleicht weiterhelfen könnte. Sollten Ihre hoffungsvollen Nachwuchskräfte allerdings mit Social Media ähnlich wenig anfangen können wie ihr Chef, dann können sie immer noch beim Ausmisten des Kellers helfen.


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