Zugegebenermaßen fällt uns kein nettes Wort ein, um das Verhalten der meisten Verbraucher zu beschreiben. Also nennen wir die Sache beim Namen: Die deutschen Kunden sind scheinheilig. In Umfragen stehen Nachhaltigkeit, Fairness und Ressourcenschonung für sie an erster Stelle. In ihrem Kaufverhalten spiegelt sich das aber nicht wider. Eher geht die Reise sogar in die andere Richtung. Sie möchten einen Beleg für diese steile These? Gerne. Der Bäckerinnungsverband West hat gerade den Betriebsvergleich für 2023 veröffentlicht. Danach steigt die Retourenquote sogar leicht und liegt inzwischen im Median der Betriebe bei gut 19 Prozent. Nehmen Sie die Zahl nicht als absolute Warhheit, ihre Ermittelung ist alles andere als trivial. Die Entwicklung ist aber deutlich und umso überraschender, als viele Bäcker die Mengen für die Filialen inzwischen KI-gestützt festlegen, die Geschäfte größer werden – was eigentlich die Retourenquote senken müsste – und die Betriebe angesichts gestiegener Wareneinsätze dem Thema Lebensmittelverschwendung verstärkte Aufmerksamkeit schenken. Alle Anstrengungen haben gerade ausgereicht, um die Quote einigermaßen stabil zu halten. Die Verkäuferweisheit „Menge verkauft Menge“ hat also heute mindestens die gleiche Berechtigung wie vor zehn oder zwanzig Jahren. Sollte man da menschlich enttäuscht sein? Wir suchen natürlich wie immer nach den positiven Aspekten und haben einen gefunden: So ein stabiles, berechenbares Verbraucherverhalten hat auch seine Vorteile. Lassen Sie sich nur nicht einreden, Warendruck spiele heute keine Rolle mehr.
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