Im Supermarkt. Meine Wahl fällt unter anderem auf einen sogenannten Farmersalat. Mit Karottenstiften, Sellerie und Zwiebeln. Alles hübsch angerichtet in einer kleinen Plastikschale. Als ich ihn zusammen mit den anderen Einkäufen zu Hause in den Kühlschrank räume, fällt mir etwas auf: Die kleine Plastikschale ist so, wie ich sie von früheren Einkäufen kenne. Auf den schließenden Deckel allerdings verzichtet der Hersteller offensichtlich nun. An seiner Stelle sorgt eine dünne Plastikfolie dafür, dass der Farmersalat da bleibt, wo er sein soll. Wortreich erklärt der Hersteller auf dem Etikett den Grund für diesen Verzicht: Nachhaltigkeit. Die dünne Folie benötigt viel weniger Kunststoff als der einstige Deckel. Leider verschwindet mit dem Deckel auch die Möglichkeit, die Schale nach Anbruch wieder verschließen zu können. Eine Eigenschaft, die ich durchaus zu schätzen wusste. Das scheint sich der Entwickler für Farmersalat- Schälchen auch gedacht zu haben und macht mir gebeuteltem Konsumenten ein trickreiches Angebot. Ich könnte mir, wenn denn unbedingt erforderlich, einen Gratis-Mehrweg-Deckel auf der Homepage des Salateheinis bestellen. Wohlgemerkt, der Salat ohne Deckel ist nicht günstiger als sein Vorgänger mit Deckel. Wieso ist der zu bestellende Deckel also gratis? Und kostenlos ist er schonmal gar nicht. Schließlich kostet der Bestellvorgang wenigstens Mühe. 1. Online das Bestellformular ausfüllen. 2. Kassenbon hochladen. 3. Kostenlos (von wegen!) bestellen. Ganz zu schweigen von den Daten, die ich preisgeben muss – und darin liegt, wenn wir ehrlich sind, doch der eigentliche Sinn dieser Aktion. Der Salatheini wird zur Datenkrake. Bisher war der Tintenfisch im „Frutti di mare-Salat“ der einzige Krake im Unternehmen, jetzt kommt die digitale Schwester dazu. Also mir ist das Original mit viel Knoblauch in Sahnesauce lieber. Aber davon mal ab. Wenn es um Datenkraken geht, sind wir Bäcker doch Vorreiter – nur dass unsere nicht über acht Arme verfügen, sondern lediglich über zwei. Richtig, ich rede von unseren Verkaufskräften. Selbst, wenn es auch unter eben jenen berüchtigte Ausnahmen gibt. Ich erinnere mich lebhaft an eine Verkäuferin – nennen wir sie Jutta – obwohl Jutta alles andere als lebhaft war. Ihr Verkaufsgespräch bestand im Grunde aus vier (!) Worten: „Tach, bitte, danke, Tschüss!“ Das kann man effektiv nennen, man kann davon aber auch Alpträume kriegen. Jutta war die Anti-Datenkrake unter den Verkäuferinnen. Eine ihrer Kolleginnen – nennen wir sie Inge – machte hingegen sogar dem Salatheini etwas vor. Inge wusste alles von ihren Kunden. Meist, bevor sie es selbst wussten. Stichwort: Zusatzverkäufe. Aber auch abseits des Oberthemas „Backwaren“ wusste Inge Bescheid. Geburtstage, Hochzeiten oder Scheidungen – Inge war stets im Bilde. Während aber das Sammeln von Daten im Allgemeinen einen eher schlechten Ruf hat, war Inge bei den Kunden äußerst beliebt. Kleiner Auszug aus einem typischen Verkaufsgespräch. Inge: „Sach‘ mal, hat nächste Woche nicht Tante Anneliese Geburtstag?“ Kunde: „Gut, dass du das sagst, hätte ich glatt vergessen!“ Inge: „Dafür bin ich ja da! Aber pass auf, dass du ihr nicht wieder Hyazinthen mitbringst! Weisse doch, isse allergisch! Nimm lieber ein Stücksken Sahnetorte, vonne Schwazzwälder.“ Kunde: „Inge, du bist goldwert – schreib die Torte auf!“ Krake ja, aber sympathisch. So muss das sein, dann klappt es auch mit dem Tortenverkauf. Danke Inge.
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