Es geht schon morgens mit einem der ersten Handgriffe los. Ich greife meine Socken und sehe mich der ersten Herausforderung des Tages gegenüber: Immer mehr Strümpfe, gerade solche, die besonders für jeglichen Sport geeignet sein sollen, weisen darauf hin, an welchem Fuß sie zu tragen sind. Ein deutlichen L oder ein ebensolches R wollen mir vorschreiben, wie ich meine Füße zu bekleiden habe. Gibt es tatsächlich zwei unterschiedliche Maschinen in den Sockenfabriken dieser Welt? Die eine produziert nur linke, die andere nur rechte Exemplare? Ich vermute gar, dass die Sockenindustrie einen perfiden Plan ausgeheckt hat: Trage ich die Socken stets entweder links oder rechts, so werden sie auch immer an den gleichen Stellen besonders beansprucht. Was die Lochbildung stark beschleunigt. Wechsel ich hingegen die Socken vom linken zum rechten Fuß und zurück, halten sie doppelt so lange. Ist doch logisch. Daran ist der Sockenmafia aber natürlich nicht gelegen. Die wollen doch Löcher in meinen Socken, damit sie mir neue linke und rechte Exemplare andrehen können. Und die Bevormundung geht doch schon am Frühstückstisch weiter – und damit meine ich gar nicht meine Frau! Ist es Ihnen aufgefallen, dass sich die Deckel von Plastikflaschen oder Tetrapaks nicht mehr so ohne Weiteres vom Korpus lösen lassen? Aufschrauben geht klar, aber weglegen is‘ nicht. Scheint eine neue EU-Regelung zu sein. Seit dieser grandiosen Idee verschütte ich regelmäßig kostbare Milch, die eigentlich in meinem Kaffee hätte landen sollen. Stattdessen rinnt sie irgendwie über den Deckel, der nicht mehr zu entfernen ist, und landet überall, nur nicht in meiner Tasse. Der Gipfel der Bevormundung erwartet mich allerdings, wenn ich ins Auto steige. Seit diesem Sommer muss jedes neue Auto automatische Warnhinweise geben – meist in Form von hohen, schrillen Tönen, die auch schon zu akutem Plombenverlust in so mancher Kauleiste geführt haben sollen. Sobald die erlaubte Geschwindigkeit überschritten wird, ist also fast schon ein Besuch beim Zahnarzt fällig. Wer steckt dahinter? Sie ahnen es: Scholz! Kleiner Scherz. Vielmehr ist es mal wieder eine Verordnung aus Brüssel. Man möchte manchmal meinen, dort sitzt jemand an seinem Schreibtisch im verglasten Bürokomplex und hat den ganzen Tag nichts anderes zu tun, als sich Gemeinheiten auszudenken. Gemeinheiten, die uns das Leben schwerer machen. Und gerade wir Bäcker haben noch viele weitere Beispiele für Dinge und Ideen, die die Welt nicht braucht. Stichwort: Bürokratiedschungel. Wie viel wertvolle Lebenszeit ließe sich einsparen, müssten wir nicht so viel dokumentieren, berichten und schulen. Dennoch denke ich, haben viele Pflichten auch ihren Sinn. Wenn Fachleute der Meinung sind, dass es beim Recyclen hilft, dass Deckel und Korpus zusammenbleiben, wer bin ich, denen zu widersprechen? Und warum muss ich 55 km/h fahren, wo nur 50 erlaubt ist? Klar, es nervt. Aber nicht so sehr, als dass ich mich wegen solcher Kleinigkeiten wie die Querdenker-Deppen auf die Straße stellen müsste. Wer quer denkt, denkt vielleicht weniger tief. Allerdings sollte das nicht davon abhalten, das Dickicht der Bürokratie zu lichten. Regeln sind richtig und wichtig. Aber sie dürfen kein Selbstzweck sein und bedürfen einer regelmäßigen Überprüfung. Meine Socken ziehe ich also weiterhin so an, wie ich das möchte.
Kommentare |



















