Die Trump-Angst. Oder: „it´s the economy, stupid“

Die Trump-Angst. Oder: „it´s the economy, stupid“

10.11.2024 | Dirk Waclawek

Haben Sie seit dem 5. November einen plötzlichen Einbruch der Absatzzahlen registriert? Nun, das Phänomen können wir erklären. Es ist die Trump-Angst. Wie im Spiegel zu lesen – Link – hat der Sieg von Donald Trump bei den amerikanischen  Präsidentschaftswahlen viele Deutsche völlig aus der Fasung gebracht. Und wer sich angstvoll in seiner Wohnung verbarrikadiert, kann nun einmal beim Bäcker keine Frühstücksbrötchen mehr kaufen.

Aus guten Gründen beschäftigen wir uns an dieser Stelle nur selten mit Politik. Aber wenn sie so direkte Auswirkungen auf den Umsatz des Bäckerhandwerks hat, ist doch die Stunde für einen Selbstversuch gekommen. Jetzt habe ich mir keine Trumprede direkt zu Gemüte geführt, so weit reichte der Mut dann doch nicht. Aber auf youtube kann man diverse Bürgersprechstunden abrufen, in denen der kommende Vizepräsident J.D. Vance den Anhängern der Republikaner Rede und Antwort steht. Dafür habe ich eine Stunde meiner Lebenszeit geopfert. Überraschung: Es ging nicht um die Frage, wie viele Hunde und Katzen von illegalen Einwanderern gegessen werden. Otto Normalwähler interessierte sich viel mehr für die Lösung von sehr handfesten Problemen wie Inflation, Lohnstagnation, Arbeitslosigkeit, Bürokratie, steigenden Energiepreisen oder der Belastung kleiner Unternehmen. Vance hatte auf alle Fragen eine Antwort parat. Ob die in der Realität Bestand haben wird, sei dahingestellt. aber in Trumps Wahlkampfteam hatte man sich zumindest mit den Problemen beschäftigt.

Vielleicht hatte sich ja ein Stratege der Republikaner an die Regel erinnert, mit der der Demokrat Bill Clinton 1992 überraschend die Präsidentenwahlen gewinnen konnte: „It´s the economy, stupid“. Es wäre nicht schlecht, wenn der Grundsatz auch im nächsten Bundestagswahlkampf eine Rolle spielen würde – natürlich gern auf den anerkannten Grundsätzen der Volkswirtschaftslehre. Vielleicht kann die Öffentlichkeitsarbeit des Bäckerhandwerks hier dem ein oder anderen Wähler oder Politiker Nachhilfe geben. Das sollte sogar möglich sein, ohne sich allzusehr in Parteipolitik zu verheddern.


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