Neulich bin ich mit einem Bekannten ins Plaudern gekommen. Wir haben uns über die Arbeit unterhalten. Sein Job macht ihm Spaß, seinem Arbeitgeber ist er schon lange treu. Es gab bisher auch keinen Grund für ihn, woanders hinzugehen. Die Kollegen halten zusammen, die Firma ist nicht allzu groß und man kennt sich untereinander. Auch die Bezahlung ist zufriedenstellend. Jetzt gibt es allerdings ein Problem: Das Unternehmen ist in letzter Zeit ein wenig in Schieflage geraten, die wirtschaftliche Situation ist angespannt. Ihn – genauso wie die gesamte übrige Belegschaft – lässt das natürlich nicht kalt. Der Flurfunk hat längst zahllose Theorien hervorgebracht, woran das Problem liegt, was sich ändern müsste und wie die Karre wieder aus dem Dreck zu ziehen wäre. In einem Punkt sind sich die meisten Kollegen einig: Die Produktivität stimmt nicht. Effektivere Prozesse sollten her. Mein Bekannter hat also seinen Chef angesprochen: „Ich habe ein paar Ideen für unsere Abteilung. Können wir uns mal in Ruhe zusammensetzen und durchgehen, was sich davon vielleicht umsetzen lässt?“ Die Reaktion klang vielversprechend – in etwa so: „Na klar, das sollten wir unbedingt tun.“ Da es das Gespräch bis in diesen Kommentar geschafft hat, ahnen Sie schon, was jetzt kommt: Dieses Meeting hat nie stattgefunden. Von den Ideen der Belegschaft ist bis heute nichts angekommen – obwohl der Leidensdruck der Geschäftsführung groß genug wäre. Das führt bei meinem Bekannten zu einer drastischen Schlussfolgerung: Er fühlt sich nicht wahrgenommen. Die Loyalität seinem Arbeitgeber gegenüber gerät ins Bröckeln – ausdrücklich nicht, weil der Betrieb in Schieflage gerät, sondern weil man ihm trotz langer Berufserfahrung mutmaßlich nicht zutraut, seinen Teil zur Rettung beizutragen. Und dabei geht es noch nicht einmal darum, Vorhaben auf ihre Umsetzbarkeit zu prüfen – es hört einfach keiner zu. Dabei haben viele Mitarbeiter durchaus gute Ideen. Nutzen Sie das als Unternehmer. Es verbessert den Betrieb, und im Idealfall erhöht es die Mitarbeiterbindung.
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