Das Motto des ersten „The Next Baker Event“ von Roland Mills United vor zehn Jahren im Stadthafen Recklinghausen lautete „Zukunft leben, Verantwortung übernehmen“. Dieses Motto ist noch immer gültig und wurde bei einer Veranstaltung am 27. August 2025 unter dem Titel „Die Zukunft gemeinsam gestalten“ wieder aufgegriffen. Die Voraussetzungen dafür sind gut, denn das Fazit von Mühlengeschäftsführer Stephan Kill zur neuen Ernte fiel zufrieden aus: „Die Getreidemengen sind in Ordnung, aber es wird keine Spitzenqualitäten mehr in Deutschland geben, aufgrund der immer umfangreicheren Regularien, wie etwa der Düngeverordnung. Wir können jedoch auch mit weniger Protein sehr gute Gebäcke herstellen.“
Während 2024 insgesamt zu verregnet war, enthält das Getreide 2025 sogar wieder etwas mehr Kleber und Protein als in den Vorjahren, weil der Witterungsverlauf sehr gut war. „In diesem Jahr kam der erlösende Regen zum richtigen Zeitpunkt Ende Mai, so dass der Dünger sehr gut aufgenommen werden konnte. Danach schien die Sonne oft genug“, so Kill. Ende Juli und Anfang August regnete es zwar wieder kräftig, die Fallzahlen sind aber in Ordnung. „Das Thema Proteingehalt macht 2025 eine Verschnaufpause, wird jedoch in Zukunft relevant bleiben. Ein schonenderer Umgang mit den Ressourcen ist einfach nötig“, prognostizierte der Geschäftsführer.
Einer der regionalen Lieferanten von Roland Mills United, Landwirt Phillip Ruck aus Witten, ergänzte: „Hier in der Region sind die Böden sehr gut. Die Getreidequalitäten im Lager sind alle eine Stufe besser als geplant. Wermutstropfen für uns sind aber die zu niedrigen Getreidepreise. An der Handelsbörse Matif in Paris liegt der Weizenpreis oft unter 200 Euro pro Tonne. Auf dem aktuellen Niveau ist der Grad schmal, der entscheidet, ob man als Landwirt Geld verdient oder nicht“. Ruck stimmte Kill zu, der Proteindegression müsse man sich stellen, denn das Absinken der Proteingehalte werde weitergehen. „2025 war kein Wendepunkt, sondern nur eine Pause. Daher wird zukünftig die Sortenauswahl immer wichtiger und die Ernten werden regional immer heterogener. So sind bundesweit wohl alle Qualitäten verfügbar. Die Mühle muss auf dieser Basis eine gleichmäßige Mehlqualität sicherstellen“, definierte Kill die zukünftigen Aufgaben.
Zum Abschluss referierte die Handels-Zukunftsforscherin Theresa Schleicher über die Möglichkeiten der Wirtschaft in einer Zeit zwischen den Spannungsfeldern Globalisierung, Lieferkettenproblematik und politische Unsicherheit sowie der Verlagerung von Nachhaltigkeit zur breiten Ökointelligenz und der Schnelligkeit der Technologie.
Die neue Ernte: Gute Qualität und Pause bei der Proteindegression
Foto: Artisan / Stefan Schütter 2025




















