Verbände der Backwarenherstellung formulieren Forderungen

Foto: Philipp von Recklinghausen / ZV 2026

Verbände der Backwarenherstellung formulieren Forderungen

21.01.2026 | Benno Kirsch

Auf dem „Backwarengipfel“, der auf der Grünen Woche in Berlin abgehalten wurde, haben die beteiligten Verbände auf spezifische Herausforderungen der beteiligten Branchen aufmerksam gemacht und Forderungen aufgestellt.

Peter Haarbeck (Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Mühlen) wies darauf hin, dass 95 Prozent des Brotgetreides in Deutschland aus heimischer Landwirtschaft stamme. Praxisferne Dünge- und Pflanzenschutzvorgaben gefährdeten zunehmend diese Rohstoffbasis. Er erinnerte: „Wenn die Proteinqualität sinkt, droht die Abhängigkeit von Importen, was regionale Wertschöpfung schwächt und den CO2-Fußabdruck erhöht.“

Auch die Energiewende stellt die Branche vor Probleme, da nach wie vor 70 bis 80 Prozent aller Bäckereien ihre Öfen mit Gas befeuern. Dazu erläuterte Tobias Schuhmacher (Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Großbäckereien): „Die Energiekosten entscheiden darüber, ob Wertschöpfung in Deutschland bleibt. Deswegen braucht es verlässliche Stromversorgung und -preise für die energieintensiven Branchen in der Wertschöpfungskette Backwaren. Das ist keine Subvention, sondern Schutz kritischer Infrastruktur.“

Roland Ermer (Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks) forderte eine Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes: Man müsse wegkommen von der täglichen hin zur wöchentlichen Höchstarbeitszeit und eine Ausweitung der erlaubten Backzeiten an Sonn- und Feiertagen erlauben, um der Lebensrealität moderner Betriebe gerecht zu werden. Außerdem müsste die Ausbildung in Deutschland geändert werden: „Wir brauchen endlich bessere berufliche Orientierung an Schulen, bezahlbaren Wohnraum für Auszubildende und ein klares Bekenntnis zur Gleichstellung von beruflicher und akademischer Bildung“, sagte er. „Nur wenn junge Menschen gute Startbedingungen haben, sichern wir die Fachkräfte von morgen.“

Bettina Schliephake-Burchardt (Präsidentin des Konditorenbundes) richtete den Blick nach vorn. Sie warnte davor, die Hürden für Betriebsübergaben durch Bürokratie und hohe Lohnnebenkosten immer höher zu setzen, weil es dadurch immer schwerer werde, junge Gründer für die Nachfolge zu begeistern. Sie forderte: „Regelungen in allen Bereichen mit Augenmaß, die einer Gründerkultur nicht entgegenstehen.“

Teilnehmer an dem Spitzengespräch waren Wilko Quante (Vorsitzender des Backzutatenverbandes), Bettina Schliephake-Burchardt (Präsidentin des Deutschem Konditorenbundes), Tobias Schuhmacher (Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Großbäckereien), Peter Haarbeck (Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Mühlen) und Roland Ermer (Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks). Markus Weck (Hauptgeschäftsführer des Deutschen Verbandes der Hefeindustrie) war krankheitsbedingt ferngeblieben.