Das richtige Maß

Das richtige Maß

11.03.2021 | Stefan Schütter

Auf der virtuellen Biofach wurden jüngst neue Absatzrekorde für Bio-Produkte verkündet. Ihr Umsatz stieg 2020 auf insgesamt 14,99 Mrd. Euro. Einen Anteil daran wird sicher auch die Covid 19-Pandemie haben, denn die Leute haben weniger Geld für die Freizeit ausgegeben und sich mehr zu Hause gegönnt. Außerdem haben sie mehr selbst gekocht. Doch bei genauerem Hinsehen ist der Bio-Markt relativ gesehen stark gestiegen, bewegt sich absolut gesehen aber noch immer auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Kathrin Jäckel, Geschäftsführerin des Bundesverbands Naturkost Naturwaren (BNN), beziffert den Anteil von Biolebensmitteln am gesamten Lebensmittelumsatz in Deutschland derzeit auf etwa fünf Prozent. Das reicht ihr nicht und sie fordert einen höheren Anteil.

Grundsätzlich ist ein weiter wachsender Bio-Markt auch zu begrüßen, doch mit ihrer Forderung nach 100% bio, die sie mit dem Klimawandel begründet, geht Jäckel deutlich zu weit. Schließlich ist bekannt, dass die Erträge im Bio-Bereich niedriger sind als im konventionellen Anbau. Daher ist die Ökobilanz für ein kg Biogetreide nicht zwingend besser als für ein kg konventionelles Getreide, weil der Landwirt beispielsweise in beiden Fällen gleich viele Kilometer mit seinem Trecker fährt, bei Bio aber weniger erntet. Zudem zeigen Hochrechnungen, dass bei 100% Bio-Anbau alle verfügbaren landwirtschaftlichen Flächen ausschließlich für die Lebensmittelerzeugung benötigt werden würden. Für Viehfutter würde dann kein Acker mehr übrig sein. Die Folge wäre ein noch höherer Druck auf die verbliebenen Urwälder und die Verlagerung der Futtererzeugung in Länder, wie Brasilien, mit deutlich laxeren Umweltgesetzen. Dort würde dann noch intensiver abgeholzt. So hätte Deutschland mit 100% Bio für sich betrachtet vielleicht eine sauberere Klimabilanz, aber die Treibhausgasproblematik wäre nur ausgelagert. Das hilft dem global nötigen Klimaschutz aber nicht wirklich weiter. Es ist also definitiv wünschenswert, dass der Bio-Anteil weiter steigt. Da ist noch deutlich Luft nach oben, doch die Umsetzung der 100%-Forderung wäre im wahrsten Sinne des Wortes einfach zu viel des Guten.


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