Marktkieker 2021 vergeben

Foto: Bäckerwelt / Friso Gentsch

Marktkieker 2021 vergeben

20.08.2021 | Dirk Waclawek

In Osnabrück sind am 21. August die Confiserie AL Porto (Tenero, Schweiz), Max Kugel (Bonn), Krimmers Backstub (Untermünkheim), Der gute Bäcker Krimphove (Münster) sowie die Bäckerei Schmitt (Frankenwinheim) mit dem Marktkieker, dem wichtigsten Unternehmerpreis der Backbranche, ausgezeichnet worden.

Im Rahmen einer festlichen Gala im Alando Palais in Osnabrück hat das Fachmagazin Back Journal die Marktkieker 2021 / 2022 vergeben. Die Preisträger Anton Froschauer (Al Porto), Max Kugel, Tanja und Ingmar Krimmer (Krimmers Backstub), Georg und Christopher Krimphove (Der gute Bäcker Krimphove) sowie Eva-Maria und Axel Schmitt (Bäckerei Schmitt) haben nach Überzeugung der unabhängigen Fachjury Konzepte entwickelt, die beispielgebend für die Branche sind. Mit der Gala in Osnabrück wurde die Idee des Innovationspreises Marktkieker 34 Jahre alt.

 

Die Confiserie Al Porto überzeugte die Jury mit Qualität auf allen Ebenen, die selbst für die gehobenen Schweizer Verhältnisse Maßstäbe setzt. Geschäftsführer Anton Froschauer ist es als vorbildlichem Arbeitgeber gelungen, ausgezeichnete Fachleute – auch international – für sein Unternehmen zu gewinnen. Hinter dem perfekten Marketing steht eine ausgefeilte Strategie. Die sozialen Medien bespielt Al Porto intensiv inklusive eines sehenswerten Instagram-Accounts, ins Konzept eingebunden sind sogar geo-lokalisierte Spots. Prof. Michael Kleinert fasst als Mitglied der Jury zusammen: „Al Porto ist das Paradebeispiel für ein optimal den eigenen Markt verstehendes Unternehmen.“

 

Max Kugel wagte als junger Bäckermeister 2017 einen radikalen Schritt und eröffnete in Bonn eine Bäckerei, in der es nur Brot gibt. Nur zehn Sorten. Alle vor Ort transparent und nur mit unbehandelten Rohstoffen hergestellt. Er stellte sich damit bewusst gegen vermeintliche Trends – und hatte Erfolg. Kugels Konzept ist schon heute richtungsweisend für viele Kollegen und hat junge Bäckerinnen und Bäcker in ganz Deutschland zu Existenzgründungen ermutigt. Das Marketingkonzept ist einfach, aber absolut professionell und trennscharf. Die sozialen Medien werden sehr aktiv genutzt. Jurymitglied Reto Fries: „Neben dem mutigen Konzept und der ausgezeichneten Qualität überzeugen bei Max Kugel auch die Aspekte Mitarbeiterführung und -bindung. Er setzt damit ein Zeichen, um den Bäckerberuf attraktiv zu halten.“ Kunden müssen bei Kugel allerdings schnell sein: Offiziell ist der Laden bis 18:30 Uhr geöffnet, allerdings ist er meist schon vorher ausverkauft.

 

Mutmacher für Existenzgründer sind auch Tanja und Ingmar Krimmer. Die beiden jungen Unternehmer übernahmen im kleinen Ort Untermünkheim eine schon leicht angestaubte Bäckerei und machten daraus in wenigen Jahren einen Leuchtturm für die Branche. Sie beweisen, dass Bäckerhandwerk auf Premiumniveau nicht nur in Großstädten eine Zukunft hat. Durch Qualität und engen regionalen Bezug ist es der Familie Krimmer gelungen, Brot zu einem Kulturgut zu machen. Die Ausbildung im Betrieb hat darüber hinaus einen ausgezeichneten Ruf. Stefan Soiné, der als Juror den Betrieb besucht hat, fasst die Gründe für die Auszeichnung zusammen: „Krimmers Backstub ist das Paradebeispiel eines regionalen Kleinunternehmens, das den eigenen Markt intensiv beobachtet und sich erfolgreich an den Bedürfnissen der Kunden ausrichtet. Die Unternehmensphilosophie ist sinnstiftend – was man nicht zuletzt an den Freude ausstrahlenden Mitarbeitern sieht.“

 

Der gute Bäcker Krimphove wird von zwei Generationen geführt und ist auf dem Münsteraner Markt mit seinen vielen guten Handwerksbetrieben eine Institution. Georg und Christopher Krimphove haben außerdem mit dem Pain et Gateau ein Konzept entwickelt, das bereits viele Kollegen inspiriert hat. Das Korn und Knierfte gilt daneben als Musterbeispiel regionalen Marketings, bei dem der Wert des Brotes in den Mittelpunkt gestellt wird. Erfolgreiche Kooperationen mit lokalen Partnern runden das Konzept ab. Schließlich war Nachhaltigkeit für die Familie Krimphove bereits eine Herzensangelegenheit, bevor der Begriff populär wurde. Entsprechend strebt die Bäckerei auch kein schnelles Wachstum an und gibt ein klares Bekenntnis für den Standort: „Wir lieben unser Münster, sind hier seit 1860 fest verankert und werden dieser wunderschönen Stadt immer treu bleiben.“ Neben dem unternehmerischen Engagement findet Georg Krimphove auch noch die Zeit, sich als Obermeister der Bäckergilde Münster für Berufskollegen wie für Mitarbeiter zu engagieren. Juror Dr. Gerhard Bosselmann über den Preisträger: „Bewundernswert fand ich auch die vorbildliche Integrationsleistung der Bäckerei – viele Nationen arbeiten hier seit Jahrzehnten gut zusammen.“

 

Überregionale Bekanntheit erlangte Axel Schmitt als Wackenbäcker – also als der Bäcker des berühmten Heavy Metal-Festivals. Man sollte den Betrieb von Eva-Maria und Axel Schmitt aber nicht darauf reduzieren. Vielmehr überzeugten die beiden Unternehmer die Jury gleich mit drei Konzepten für unterschiedliche Lagen: Im engen regionalen Bezug ist Schmitt die traditionelle Familienbäckerei mit ausgezeichneter Qualität. Zieht man den Radius etwas größer, hat der Brotsommelier der ersten Stunde seine Bekanntheit genutzt, um ein ausgesprochen innovatives Vermarktungskonzept mit dem Handel umzusetzen, das inzwischen vielfach kopiert wurde. Schließlich ist da der Wackenbäcker, der glaubhaft die unkonventionelle Seite des Bäckerhandwerks verkörpert und damit auch das Image der gesamten Branche verbessert. In Sachen Guerilla-Marketing und Social Media stehen die Schmitts für nichts weniger als den Goldstandard in der Branche. Und auch Mitarbeiterführung und -bindung können sich sehen lassen, Juror Fridjof Olms: „Eva-Maria und Axel Schmitt haben der Bäckerei zu Beginn ihrer unternehmerischen Tätigkeit ein Grundgesetz gegeben, in der Wertschätzung, Freude und Respekt die zentrale Rolle spielen.“

 

Der Marktkieker wurde unterstützt von Ireks, Braun, Meisterkaffee Cafe Da Lagoa, Helmig & Partner, Kalicom, Vandemoortele und Samuelson.


Hintergrundinformation:

Der Marktkieker – Innovationspreis der Backbranche

Der Marktkieker wird seit 1987 vergeben und ist der wichtigste Unternehmer- und Innovationspreis des Bäckerhandwerks in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Seit der Stiftung der Auszeichnung sind 99 Bäckereien und Konditoreien in den Kreis der Preisträger aufgenommen worden. Über die Vergabe entscheidet eine unabhängige Fachjury aus Journalisten, Preisträgern, Vertretern von Forschung und Lehre, Marketingexperten, Systemgastronomen sowie Ehrenamtsträgern des Bäckerhandwerks.

Eins haben alle Preisträger gemeinsam: Sie haben Pionierarbeit für die Backbranche geleistet und hatten dabei den Mut, ausgetretene Pfade zu verlassen. Der Marktkieker ist deshalb kein Preis für Umsatzmillionen, sondern eine Auszeichnung, die Innovationsfähigkeit prämiert. So ist es auch in der Marktkieker-Satzung verankert, die die Väter des Branchenpreises 1987 verfasst haben: Die Leistungen der Ausgezeichneten sollen richtungsweisend und vorbildlich sein. Den Stiftern ging es vor allem darum, die Branche aufzurütteln, denn die Anforderungen an eine Bäckerei haben sich verändert: Wichtig ist nicht mehr nur die Produktion, sondern auch die Entwicklung von Management- und Marketingstrategien, die Förderung der Mitarbeiter und die Reaktion auf Marktveränderungen. Dementsprechend breit gefächert ist das Spektrum der Preisträger. Es reicht vom Brot- bis zum Zuckerbäcker, vom Kleinbetrieb bis zum großen Filialisten, vom biologischen Vollkornbäcker bis zum Bäckergastronomen.

Die Organisation des Marktkiekers liegt beim Fachmagazin Back Journal der Inger Verlagsgesellschaft in Osnabrück. Mitglieder der Jury sind Michael Wippler (Präsident des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks), Fridjof Olms (Marktkieker-Stifter), Jutta Armbruster-Oberdorfer (Bäckerei Armbruster, Preisträger 2012), Dr. Gerhard Bosselmann (Landbäckerei Bosselmann, Preisträger 2000), Jürgen Hinkelmann (Bäckermeister Grobe, Preisträger 2016, Vizepräsident des Zentralverbandes des deutschen Bäckerhandwerks), Stefan Soiné (Ireks GmbH), Reto Fries (Direktor der Bäckerfachschule Richemont, Schweiz), Rainer Pastätter (RPPV GmbH), Prof. Michael Kleinert (ZHAW, Wädenswil, Schweiz), Gerald Geier (Geier – die Weinvierteler Bäckerei, Österreich, Preisträger 2014), Trond Patzphal (Geschäftsführer Inger Verlag) und Dirk Waclawek (Chefredakteur Back Journal).

 

 

 


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