Im Auge des Betrachters

Im Auge des Betrachters

03.03.2026 | Dirk Waclawek

Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Das gilt auch und gerade für Übernahmen im Bäckerhandwerk. In der Regel finden Chefin und Chef ihren Betrieb wunderschön, Käufer teilen diese Ansicht nicht zwangsweise. Das liegt nicht nur daran, dass wir alle über eigene Schwächen gerne gnädig hinwegsehen, sondern auch an den potenziellen Anforderungen der Käufer. Möchte ich eine Bäckerei komplett übernehmen, sollte möglichst alles stimmen – von der Technik in der Produktion über gut ausgebildete Mitarbeiter und einen gepflegten Namen bis hin zur Einrichtung der Geschäfte. Jeder Investitionsstau, der beseitigt werden muss, mindert den Kaufpreis. Bin ich ein klassischer Kollege, habe ich ja schon eine Backstube. Dann haben nur die Filialen, die sich möglichst nicht mit meinen überschneiden sollten, einen Wert. Möglich ist hier auch, dass meine Back- stube aus dem letzten Loch pfeift und ich mit der übernommenen weiter produzieren will. Dann spielt ihre Leistungsfähigkeit doch eine Rolle. Und dann ist da noch der zurzeit häufiger auftretende Fall, dass ein systemisch arbeiten- der Filialbetrieb Ihr Standortnetz übernehmen möchte, um in einer neuen Region gleich mit Nachdruck auftreten zu können. In dem Fall interessiert vielleicht nicht einmal die Einrichtung der Filialen. Der große Kollege wird sie eh für einige Wochen schließen, alles auf seinen Stand bringen und dann nach einigen Wochen im neuen Glanz wiedereröffnen. Ihn interessiert nicht einmal, welchen Umsatz Sie an den Standorten gemacht haben, sondern wieviel Geld sich dort mit seinem System er- zielen lässt. Von Wert ist für ihn allein Lage und Zuschnitt bzw. der Mietvertrag, vielleicht noch die Qualität der Filialteams, die er auf seinen Standard schulen muss. Sie sehen: Was eine Bäckerei „wert“ ist, kann sich von Interessent zu Interessent stark unterscheiden. Eine Kon- stante gibt es aber in 99 Prozent der Fälle: Die Lage der Standorte spielt immer eine Rolle.


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