Was Macht mit uns macht

Was Macht mit uns macht

23.07.2020 | Edda Klepp

Sie kennen solche Typen: Sie erscheinen zum Meeting regelmäßig zu spät, unterbrechen laufende Unterhaltungen und zwingen der Runde ihre persönliche Tagesordnung auf – allen vorherigen Absprachen zum Trotz. Was manchmal fast wie eine Marotte wirkt, entpuppt sich nur allzu oft als Machtspielchen. Botschaft: Hier bestimmt einer die Regeln. Und die anderen haben zu folgen. Dabei verbirgt sich Macht hinter vielen Masken: Willkür, Intransparenz und Einschüchterung sind nur einige davon. In der sogenannten Keks-Studie untersuchten Psychologen unter Studenten, welche Auswirkungen das Gefühl der Ermächtigung bereits auf dieser noch recht niedrigen Stufe haben kann. Unter drei Probanden erhielt einer der Studierenden die Rolle, in einer Diskussion die Argumente der anderen zu beurteilen. Zum Ende des Gesprächs hin wurde wie zufällig ein Teller mit fünf Keksen gereicht. Ergebnis: Wem auch nur ein Fetzen Macht zugesprochen wurde, griff beherzter zu als andere. „Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut“, formulierte es im 19. Jahrhundert der katholische Liberale Lord Acton. Das Internetmagazin Karrierebibel unterscheidet drei Konsequenzen, die Macht bei Menschen erzeugen kann: Erstens fokussieren Ermächtigte stärker auf die Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse. Fehlt ihnen beispielsweise die Geduld, Prozesse abzuwarten, setzen sie ihr Tempo durch. Im selben Maße kümmern sie sich – zweitens – weniger um die Bedürfnisse ihrer Untergebenen. Drittens erwarten sie zwar, dass sich andere an Regeln halten, für sich selbst legen sie diese allerdings eher flexibel aus. Für Sie als Führungskraft empfiehlt es sich, auf Basis dieser Erkenntnisse Ihr eigenes Verhalten regelmäßig wohlwollend zu reflektieren und sich vor allem über die wirtschaftlichen Folgen im Klaren zu sein. Zwar mag es kurzfristig befriedigend sein, das Gefühl von Macht auszukosten und als alleiniger Spielführer den Ton anzugeben. Wenn das Mutterschiff in stürmischen Zeiten zwischen gefährlichen Klippen manövriert, werden Ihnen die leckersten Kekse allerdings wenig nützen.


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