8. Weinheimer Brotforum: Interessantes Programm und hochkarätiges Publikum

Foto: BW / Dirk Waclawek 2025

8. Weinheimer Brotforum: Interessantes Programm und hochkarätiges Publikum

10.02.2025 | Dirk Waclawek

Wenn eine Veranstaltung regelmäßig ausverkauft ist, kann sie in der Vergangenheit nicht allzu viel falsch gemacht haben. So muss das Weinheimer Brotforum inzwischen immer wieder Interessierte abweisen, weil 160 Gäste das Maximum für den größten Raum der Akademie sind. Schön ist für die Bundesakademie außerdem, dass durchaus hochkarätige Betriebe aller Größenklassen das Angebot zum Austausch annehmen. Am 4. Februar ging es um die Schwerpunkte „Brotmarkt und Ernährung“, „Einblicke in Bäckereien“, „Veränderung der Marktanteile“ sowie „Nachhaltigkeit“.

Wie schon berichtet, konnte Akademiedirektor Bernd Kütscher gleich zu Beginn mit einer Überraschung aufwarten: Das deutsche Brotinstitut prüft ab sofort nach einem Schema, das nicht mehr nur Fehlerfreiheit, sondern auch besondere Kreativität belohnt. Außerdem präsentierte er die aktuellen Marktdaten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) für 2024. Danach verlieren die Bäcker sowohl mengen- als auch wertmäßig weiterhin Marktanteile. Dabei muss man natürlich im Hinterkopf haben, dass die GfK die Brötchenhälften, zwischen die eine Scheibe Wurst oder Käse gelegt wurde, nicht erfasst. So sind es also die Snackumsätze, die den Betrieben auch 2024 wieder das Umsatzplus bescherten.

Anschließend berichtete Johann Schäfer (Schäfer Dein Bäcker, Limburg), wie der Betrieb seit rund 20 Jahren auf ein jährliches Wachstum von 20 Prozent kommt. Interessant ebenfalls der Votrag von Tim Lessau (Braaker Mühle, Braak) zum Thema „Erfolgreich Brot verkaufen“. Abgerundet wurde der Block durch einen Vortrag von Heike Engels (Lieken), die durchaus offen die Herausforderungen der Lieferbäcker angesichts einer starken Handelsmacht beschrieb. Engels diskutierte im Anschluss mit Bäckerpräsident Roland Ermer die Entwicklung des Marktes und die politischen Herausforderungen für die Interessenvertretung. Gute Nachricht: Die Zeiten des Spiegelfechtens zwischen Groß- und Handwerksbäckern scheinen der Vergangenheit anzugehören. Ermer und Engels betonten vor allem die gemeinsamen Interessen.

Zum Schluss stand noch das Thema Nachhaltigkeit auf dem Programm. Eröffnet wurde die Vortragsrunde von Bioschwergewicht Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, der ein engagiertes Plädoyer für den ökologischen Landbau hielt. Ihm folgte Tanja Dräger von Agora Agrar zum Thema Ernährung und Klimaschutz. Falls Sie beim Namen Agora hellhörig werden: Kritische Geister verweisen auf vielfältige – über Umwege auch finanzielle – Verbindungen zwischen der Bundesregierung und dem – nach Selbstauskunft – Think Tank. (Schön aufgeschlüsselt auf agrarheute.) Manche sehen in Agora deshalb eher eine Vorfeldorganisation der Grünen. Jetzt ist es völlig in Ordnung, dass das Bäckerhandwerk versucht, mit allen relevanten Akteuren der Politik im Gespräch zu bleiben. So kurz vor der Bundestagswahl wäre es aber vielleicht besser gewesen, auch noch eine Gegenposition einzuladen. Ein guter Teil von Habecks Energiewende wurde bekanntlich von der Schwesterorganisation Agora Energiewende ausgedacht. Und deren Ergebnisse sind ja nicht ganz unumstritten.

Sei´s drum. Die Betriebe konnten wieder mit vielen guten Anregungen vom Weinheimer Brotforum nach Hause fahren. Eine rechtzeitige Anmeldung dürfte also auch für das 9. Weinheimer Brotforum ratsam ein. Apropos rechtzeitig anmelden: Das Weinheimer Bread Summercamp ist für den 26./27. Juli im Kloster Eberbach geplant.