Auf der abschüssigen Bahn

Auf der abschüssigen Bahn

30.06.2025 | Dirk Waclawek

Jetzt kommen die 15 Euro Mindestlohn doch nicht so schnell. Die Mindestlohn-Kommission hat bis 2027 eine Erhöhung auf 14,60 Euro in zwei Stufen beschlossen. Das sind immerhin 13,9 Prozent, aber immer noch weniger als die gut 17 Prozent, die die Erhöhung auf 15 Euro bedeutet hätte. „Kein Problem“, sagen die Befürworter. Seit seiner Einführung habe der Mindestlohn „nachweislich“ keine Arbeitsplätze gekostet bzw. nur zur Abwanderung aus „nicht zukunftsfähigen Geschäftsmodellen“ in zukunftsfeste geführt. Wer kann etwas gegen eine so segenstiftende Institution haben? Wir, zugegebenermaßen. Da wäre zunächst einmal das Problem, dass sich Weiterbildung und Qualifizierung immer weniger lohnen. Der neue Tarifvertrag der Bayern zum Beispiel sieht im ersten Schritt eine Erhöhung von 100 Euro für alle Tarifgruppen vor, prozentual legen also die Hilfskräfte viel stärker als die Fachkräfte zu. Wenn aber am Ende alle fast das Gleiche verdienen, wer hat dann noch Lust auf Aus- und Weiterbildung oder persönliches Engagement? Um dem vorzubeugen, müsste das Bäckerhandwerk alle Lohngruppen entsprechend anpassen. Stellt sich nur die Frage, ob der Verbraucher die entsprechenden Preiserhöhungen mitgeht. Wir glauben auch nicht, dass es wirtschaftlich vernünftig ist, die Lohnsteigerungen von der Produktivität zu entkoppeln. Am Ende der Entwicklung steht Inflation, sodass niemand etwas von den generösen Erhöhungen hat – außer dem Staat natürlich. Die größten Sorgen macht uns aber ein anderer Umstand: In einem aktuellen Betriebsvergleich ist nachzulesen, dass die Personaleinsatzquote im Jahr 2017 bei großen (60.000 bis 80.000 Euro) und kleinen Standorten unter 30.000 Euro um gut zwei Prozentpunkte auseinanderlagen. Nicht schön, aber noch tragbar. 2024 waren es dann schon gut sieben Prozentpunkte. Die kleinen Filialen werden wirtschaftlich also rapide unattraktiv. Der Mindestlohn bringt hier eine eh schon vorhandene Tendenz auf ein Tempo, das viele Bäckereien überfordert. Es sei daran erinnert, dass der Filialschnitt des Bäckerhandwerks in Deutschland spürbar unter 30.000 Euro liegen dürfte. Treffen wird es zu einem guten Teil die kleinen Nahversorgerfilialen auf dem Land. In vielen Dörfern wird der letzte soziale Treffpunkt verschwinden.


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