Bayern: Lohnerhöhung um 150 Euro (Backstube) bzw. 165 Euro (Verkauf)

Foto: LIV Bayern 2021

Bayern: Lohnerhöhung um 150 Euro (Backstube) bzw. 165 Euro (Verkauf)

22.11.2022 | Dirk Waclawek

Der Landesverband des bayerischen Bäckerhandwerks und die Gewerkschaft NGG haben sich auf einen Tarifvertrag für die rund 48.000 Beschäftigten des Bäckerhandwerks im Land geeinigt. Unterschrieben ist der Vertrag noch nicht, beide Seiten haben aber die Inhalte bestätigt. Danach bekommen Beschäftigte im Verkauf in Bayern ab Januar 165 Euro mehr im Monat, alle anderen Tarifgruppen 150 Euro. Dazu kommt eine Einmalzahlung von 450 Euro. Nach Aussage des stellvertretenden NGG-Landesbezirkschefs Kurt Haberl bedeutet das für Fachkräfte mit Berufsabschluss in der Produktion eine Erhöhung um 5,6 Prozent und im Verkauf um 7,0 Prozent. Der Tariflohn für angelerntes Personal steige sogar um bis zu 11 Prozent. Zu bedenken ist hier, dass die Gewekschaft als Grundlage für ihre Berechnungen jeweils die Lohngruppe mit der geringsten Berufserfahrung angesetzt hat. Prozentual fällt die Steigerung in den höheren Lohngruppen also geringer aus.

Der Einstiegslohn im bayerischen Bäckerhandwerk liegt nach dem neuen Tarifvertrag bei 13 Euro pro Stunde. Die Vereinbarung läuft vom 1. Oktober 2022 bis 30. November 2023. Landesinnungsmeister Heinrich Traublinger bewertete den Abschluss folgendermaßen: „Trotz der extrem hohen Belastungen der Betriebe durch die Energie- und Rohstoffkosten haben wir eine tragbare Lösung finden können. Die Erhöhungen berücksichtigen die aktuelle schwierige Lage und die noch nicht absehbare weitere Entwicklung.”

Unsere Einschätzung: Mit diesem Ergebnis sind die Bayern deutlich unter dem Abschluss in Berlin-Brandenburg geblieben, der vor wenigen Monaten auf Erhöhungen – je nach Taifgruppe – von mindestens 18 Prozent gekommen war. Hinter den Kulissen hatten die Berliner Erhöhungen auch für Unstimmigkeiten unter den Landesverbänden des Bäckerhandwerks gesorgt. Von denen stecken bekanntlich viele derzeit ebenfalls in harten Tarifverhandlungen. Der Einstiegslohn in Berlin-Brandenburg liegt allerdings trotzdem mit 12,50 unter dem der Bayern. Allgemein ist mindestlohnbedingt der Trend zu beobachten, die Löhne der ungelernten Kräfte deutlich stärker als die der Fachkräfte anzuheben. In Bayern liegt der Tariflohn nach der Einigung für Fachverkäuferinnen wie Bäcker ohne Berufserfahrung nur noch knapp über dem Einstiegslohn für die ungelernten Kräfte. Aus unserer Sicht kein gutes Zeichen für die Ausbildung im Bäckerhandwerk. Oder wie es ein Brancheninsider ausdrückte: „Wir laufen auf einen Einheitslohn im Bäckerhandwerk zu – unabhängig von der Qualifikation.”


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