Neulich sprach ich mit dem Chef eines Kleinbetriebs über Preispolitik. Sein Grundsatz: „So lange ich den Betrieb führe, wird es bei mir den besten Berliner der Region für einen Euro geben.“ Wir wünschen dem Kollegen ein langes Leben, und da er außerdem den Übergabeprozess eingeleitet hat, bestehen gute Chancen, dass er nicht wortbrüchig werden muss. Viele Bäcker werden trotzdem mit dem Kopf schütteln. Für einen guten Berliner lassen sich auch auf dem Dorf sicher 1,30 Euro erlösen, in vielen Regionen sind 1,50 Euro und mehr locker drin. Und bekanntlich verlangt eine Systemgastro-Kette überaus erfolgreich zwischen 4,20 und 4,90 Euro für eine Zimtschnecke, die unter Fachleuten gar nicht so unumstritten ist. Verschenkt unser Dorfbäcker also Geld? Wir sind uns da nicht so sicher. Er ist überzeugt, dass ihm die Kunden eine kurzfristige Gewinnmitnahme übel anrechnen würden. Der Kollege kennt neben seinen Kunden auch seine Zahlen und die Preise der regional wichtigsten Wettbewerber – die natürlich aus dem LEH kommen. Seine Berlinerpreise kann er auf den Marketingetat buchen, denn sie senden die Botschaft, dass es beim Bäcker des Dorfes gute Backwaren zu fairen Preisen gibt. Ausgesucht hat er sich dafür ein Produkt, das auch zu dem Signalpreis noch ordentliche Deckungsbeiträge beschert. Fazit: Ja, man muss nicht immer der preisführende Handwerksbäcker am Platze sein. Und nein, wir haben nicht gesagt, dass alle Bäcker die Berliner für einen Euro verkaufen sollen.
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