Bohne sucht Bühne

Bohne sucht Bühne

02.01.2026 | Kristina Tewes

Morgens, halb acht in der Bäckerei: Die Schlange reicht bis nach draußen, Brötchentüten rascheln – und schlaftrunken murmelt jeder zweite Kunde: „Und einen Kaffee dazu, bitte.“ Kaffee ist für viele längst fester Bestandteil des Alltags. Er begleitet den Weg zur Arbeit, die Mittagspause, den Kuchen am Nachmittag. Und trotzdem wird der A-Artikel in vielen Bäckereien behandelt, als wäre er Beiwerk. Reicht das wirklich? Das hat sich auch die Führungsriege von Schäfer Dein Bäcker aus Limburg gefragt. Im Gespräch für un- sere Titel-Reportage (ab S. 14) brachte es Geschäftsführer Johann Schäfer auf den Punkt: Während die Branche mit beeindrucken- der Leidenschaft über Teigführung, Sauerteige und High-End-Öfen spricht – und aus guten Gründen Millionen in Technik investiert –, passiert beim Kaffee oft nur das Nötigste. Maschine hinstellen, Bohnen aussuchen, auf den Knopf drücken, fertig. Was viele unterschätzen: Hier bleibt Umsatz liegen. Dass es anders geht, zeigt das Beispiel Schäfer eindrucksvoll. Dort hat man das Ge- tränk bewusst zum strategischen Thema gemacht – nicht als hippe Spielerei, sondern als klare betriebswirtschaftliche Entscheidung. Eigene Marke, eigener Beauftragter: Kaffee ist kein Zufallsprodukt mehr, sondern Teil eines durchdachten Konzepts. Der Heißgetränkebereich wurde so konsequent nach vorne gebracht, dass die Bäckerei heute mehr Umsatz mit Heißgetränken erzielt als mit Brot. Artikel, die gut laufen, laufen nun einmal gut. Kaffee sowieso. Wer aber die nächste Stufe erreichen will, muss aktiv werden. Nicht jede Bäckerei braucht eine eigene Kaffeemarke mit Logo und Ver- packungsdesign. Entscheidend ist, Kaffee nicht mehr nur mitlaufen zu lassen, sondern bewusst zu hinterfragen: Wie gut ist unser Kaffee wirklich? Wie sichtbar ist er? Und welche Geschichte erzählen wir dazu? Ein Produkt, das in der Frequenz stark ist, aber konzeptionell schwach, verschenkt am Ende mehr Potenzial, als man auf den ersten Blick ahnt.


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