Der chinesischen Kaffee-Offensive trotzen

Der chinesischen Kaffee-Offensive trotzen

03.03.2026 | Jessica Escher

Ein Espresso für 99 Cent, ein Cappuccino für unter drei Euro – Preise, die sich aus betriebswirtschaftlicher Sicht unmöglich amortisieren können. Doch genau mit diesen Billigpreisen mischen chinesische Kaffeeketten den deutschen Markt auf. Ihr Vorgehen erinnert an die Fast-Fashion-Industrie: radikale Skalierung, maximale Digitalisierung und aggressive Preispolitik. Das Wachstum der chinesischen Kaffeekette Cotti Coffee beispielsweise macht es beeindruckend vor: Erst 2022 gegründet, kon- trolliert das Unternehmen in China bereits rund 18 Prozent des Marktes und verdrängt Starbucks dort mit etwa 14 Prozent auf Rang drei. Marktführer bleibt Luckin Coffee mit rund 35 Prozent – der Vorreiter der neuen radikalen Kaffeestrategie: kleine Flächen, hohe Frequenz, app-basierte Bestellungen und geringe Personalkosten. Die Markenbekanntheit der chinesischen Konzepte wird vor allem durch Social-Media-Kampagnen, Online-Rabatt-Deals und Influencer-Marketing angetrieben. Auch deutsche Anbieter experimentieren bereits mit ähnlichen Modellen: So eröffnete das Berliner Start- up LAP Coffee innerhalb von kürzester Zeit mehr als 20 Filialen. Doch während chinesische Konzepte mit Investorenkapital und hoher Prozessautomatisierung operieren, geraten inhabergeführte Cafés immer mehr unter Druck. Letztlich spiegelt sich hier eine Doppelentwicklung wider: Konsumenten erwarten schnelle, günstige Produkte, während die Nachfrage nach transparentem, hochwertigem Kaffee wächst. In diesem Spannungsfeld zu bestehen, ist für kleine Cafés kein Zuckerschlecken. Qualität, Transparenz und die Herzlichkeit des persönlichen Kontakts sind Stärken, die in ei- nem beschleunigten, digitalisierten und anonymen Markt den Unterschied machen.


Kommentare |