Der Ruf der Insolvenz

Die Redaktion und die Experten von Gehrke Econ

Foto: DBZM 2020

Der Ruf der Insolvenz

26.06.2020 | Lukas Orfert

Oliver Vogt, Geschäftsführer von Gehrke Econ, und Thorsten Hunsalzer, Rechtsanwalt und Insolvenzberater, sprechen über die Vorteile und Fallstricke von Insolvenzverfahren und was sie Unternehmen aktuell raten.

DBZ Magazin: Wir haben 400 große Filialisten in Deutschland, die regelmäßig eine Millionen euro im Jahr investieren. Von denen haben sich in den letzten drei Wochen fast zehn in die insolvenz begeben. Die Konzepte waren schon geschrieben. Das war alles schon vorbereitet.

Oliver Vogt: Das ist grundsätzlich der richtige Prozess. Unternehmen, die sich zum 31. Dezember 2019 in Schief- lage befanden, konnten keine Fördermittel beantragen. Dann kann die Insolvenz ein Weg aus der Situation sein. Solche Verfahren gehören vorbereitet und brauchen Zeit.

DBZ Magazin: Eine Einschätzung, warum ich manche Insolvenzplanverfahren kritisch sehe: Die Sozialgemeinschaft trägt drei Monate lang die Arbeitslöhne der Leute. Das ist am Rande einer Verfälschung der Wettbewerbsverhältnisse, wenn sich Unternehmen für drei Monate die Belegschaft finanzieren lassen.

Thorsten Hunsalzer: Dafür gibt es eine Umlage, in die jedes Unternehmen bei der Agentur für Arbeit einzahlt. Das ist ja wie eine Versicherung. Diese in Anspruch zu nehmen, wenn es keinen Versicherungsfall gibt, wird natürlich kritisch gesehen. Aber es ist nun mal ein Sanierungsmittel dessen Inanspruchnahme legitim ist. Ein anderer Fall ist, wenn jemand sagt: Ich nutze jetzt Kurzarbeit, lasse die Sozialversicherungsbeiträge stunden, beanspruche den KfW-Kredit und wenn dies alles vorbei ist, habe ich keine Lust, das alles nachzuzahlen. Dann gehe ich ins Insolvenzverfahren. Dann schneidet man die Altverbindlichkeiten ab, die jetzt aus der Corona-Krise kommen. Um sich dann, wenn das Geschäftsmodell wieder läuft, in einen Regelbetrieb zu begeben. Das wäre ein Fall, wo die Argumentation schwierig wird. Mehr dazu lesen Sie hier …


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