In einem Interview mit einem Wissenschaftsblog hat Katharina Scherf eine Lanze für das Gluten gebrochen. Zugleich betonte sie, dass der glutenhaltige Weizen ein wertvoller Rohstoff sei, der von gewissen Kreisen zu Unrecht verteufelt werde. Die Professorin für Lebensmittel-Systembiologie an der Technischen Universität München wies darauf hin, dass man bei Beschwerden nach dem Konsum weizenhaltiger Lebensmittel zwischen klassischer Weizenallergie, Zöliakie und Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität unterscheiden müsse. Sie sagte: „In allen drei Formen spielen unterschiedliche Mechanismen im Körper eine Rolle, die aber alle zur Unverträglichkeit führen. Gluten ist jedoch nach heutigem wissenschaftlichem Kenntnisstand nicht […] die Ursache einer Vielzahl unterschiedlichster Krankheiten. Die Forschung ist hier inzwischen deutlich weiter.“
Von einer Selbstdiagnose bei Verdauungsproblemen riet sie ab, weil Beschwerden viele Auslöser haben könnten, beispielsweise bestimmte Zucker und Alkohole, die in den verschiedensten Lebensmitteln zu finden seien. Dass glutenfreie Lebensmittel inzwischen gut verfügbar seien, sei für die Betroffenen ein Gewinn. Wer aber nicht betroffen sei, der solle, meinte sie, weiterhin bei seiner Ernährung bleiben und keines falls vorsorglich umstellen. „Glutenfreie Produkte sind nicht automatisch gesünder“, betonte sie. „Häufig enthalten sie mehr Stärke, Zucker und Fett, während die Gehalte an Proteinen und insbesondere an Ballaststoffen teilweise niedriger ausfallen als bei vergleichbaren glutenhaltigen Produkten.“ Auch wenn gelegentlich ein anderer Eindruck erweckt werde, so sei Weizen erwiesenermaßen ein wertvolles Lebensmittel, insbesondere in seiner Vollkornvariante. „Die beste Empfehlung bleibt eine vielfältige und ausgewogene Ernährung.“
Lesen Sie das vollständige Interview im Blog Querfeldein, auf dem 20 Wissenschaftseinrichtungen aktuelle Forschungsergebnisse aus den Bereichen Landwirtschaft, Umwelt und Klima veröffentlichen.
Scherf wurde 2019 für ein wissenschaftliches Projekt, das die Verlässlichkeit eines tragbaren Gluten-Sensors für den Hausgebrauch überprüft, mit dem Forschungspreis der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft (DZG) ausgezeichnet.




















