Von selbstkritischen Handwerksbäckern hört man immer häufiger den Satz „Die sind verdammt gut geworden.“ Mit „die“ sind natürlich die Wettbewerber von der Industrie gemeint, deren Brot mit einem guten Teil der handwerklichen Konkurrenz zumindest nach DLG-Kriterien locker mithalten kann. Gibt es doch mal qualitative Probleme, liegt das meist an den letzten fünf Metern: Ein gestresster Mitarbeiter im LEH war mit der Bedienung des Ladenbackofens oder dem Produkthandling überfordert. Nun werden wir auf der iba Lösungen sehen, die die Fehlerquote beim Regenerieren in den Backstationen noch einmal deutlich senken dürften. Gleichzeitig werden für das Bäckerhandwerk autonome Läden entwickelt, bei denen auf die menschlichen Fachverkäufer verzichtet werden kann. Wenn aber die nette Fachverkäuferin als Differenzierungsmerkmal entfällt – was trennt Industrie und Handwerk dann noch in den Augen der Kunden? Die Frage stellen sich mit einem Kribbeln im Bauch gerade viele Bäcker. Hand auf´s Herz ist sie guten Gewissens zurzeit kaum zu beantworten. Reicht grundsätzlich noch eine Optimierung der Abläufe, damit die Mitarbeiter Zeit für die Betreuung der Kunden gewinnen? Oder ist der ganze menschliche Bedienverkauf ein Auslaufmodell? Machen wir uns zu viele Gedanken und der Kunde wird sich an die autonomen Filialen gewöhnen wie er sich auch an die Selbstbedienung im LEH gewöhnt hat? Wie nah an der Serienreife ist die Technik? Verliert das Bäckerhandwerk sein Unterscheidungsmerkmal zum LEH? Oder existiert nicht auch ein Edeka Zurheide neben den Lidls und Aldis? Die Menschen, die gerade das Berufsbild der Bäckereifachverkäuferin praxisgerecht für die nächsten zehn Jahre gestalten sollen, beneiden wir jedenfalls nicht.
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