Es heißt ja, dass die modernen Zeiten immer komplexer werden, und für den Bereich Handelsbäckerei trifft das auch zu. Vor rund 20 Jahren schien es in ganz Deutschland so, als werde der Handel zumindest die guten Vorkassenzonen in Zukunft den eigenen Bäckereien zuschustern. Die Top 10 der großen Filialbetriebe drohte auf Sicht ein Ranking der Handelsbäckereien zu werden. Heute ergibt sich kein einheitliches Bild mehr: Manche Konzerne ziehen sich komplett aus der Backwarenproduktion zurück – siehe das Beispiel der Rewe. Andere produzieren weiter selbst, überlassen aber den Marktkaufleuten zu einem guten Teil den Verkauf und die leidige Personalfrage – siehe Schäfer‘s der Edeka Minden-Hannover. Und wieder andere sind wohl mit dem klassischen Vertriebsmodell ganz zufrieden – siehe die Neubaupläne von Büsch. Bei den Discountern hält Lidl mit Bonback einen möglichst großen Teil der Wertschöpfung in der eigenen Hand. Aldi räumt dagegen regionalen Bäckereien eigene Regalflächen ein – wobei „regional“ zunehmend großzügig definiert wird.
Kurz: Die große, einheitliche Linie des Handels gibt es nicht mehr. In vielen Gegenden kann sich das Handwerk in Sachen Vorkassenzone durchaus als Gewinner sehen. Bei den Lieferbäckern schält sich ebenfalls ein Gewinner heraus: Harry erntet – demnächst auch verstärkt in Süddeutschland – die Früchte, die über Jahrzehnte mit einer konstanten Qualitätspolitik auf allen Ebenen gesät wurden. So erleben wir die merkwürdige Entwicklung, dass der Marktanteil der Großbetriebe zweifellos zunimmt. Die klassische private Liefer-Großbäckerei allerdings trotzdem zur bedrohten Spezies wird.
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