Spielraum statt Preissenkung

Spielraum statt Preissenkung

17.03.2026 | Philipp Lagoda

Die Rückkehr zu sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie hat eine Erwartung ausgelöst: sinkende Preise für Gäste. Die Realität sieht anders aus. Eine repräsentative Auswertung von Orderbird in Zusammenarbeit mit dem Tagesspiegel, der Stuttgarter Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ergab jetzt, dass rund drei Viertel der 30.000 befragten Gastronomiebetriebe ihre Preise unverändert gelassen haben. Ein vergleichbares Bild dürfte sich bei entsprechenden Angeboten im Bäckerhandwerk abzeichnen. Denn auch hier treffen politische Erwartungen auf eine betriebliche Realität, die von steigenden Kosten geprägt ist. Statt eines Rabattes auf der Rechnung wirkt die Steuersenkung als Bremse für weitere Preiserhöhungen. Der Grund: Die Kosten steigen schneller als die steuerliche Entlastung – Mindestlohnerhöhungen, steigende Rohstoff- und Energiepreise. Der Irankrieg dürfte Letztere noch einmal deutlich negativ beeinflussen. Da liegt es nahe, dass die Betriebe die Steuerentlastung nutzen, um diese Kosten auf- zufangen und das Preisniveau ihrer Angebote stabil zu halten. Gerade an der Bäckertheke reagieren Kunden traditionell sensibel auf Preissprünge. Da wundert es nicht, dass die Betriebe das Anheben der Preise so lange es geht hinauszögern und Steuersenkungen dieser Art dazu nutzen, den Druck herauszunehmen. Die Diskus- sion über Steuern wird daher oft an der falschen Stelle geführt. Entscheidend ist nicht allein der Steuersatz, sondern die Frage, was Betrieben hilft, um erfolgreich zu wirtschaften und ihrer Kundschaft gleichzeitig ein stabiles Preisniveau zu bieten.


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