Bei rund 400 Filialen stand der Lila Bäcker zum Zeitpunkt der Insolvenz im Jahr 2019. Im September des Jahres war man dann – auch dank einer Bürgschaft des Landes Mecklenburg-Vorpommern – mit 270 Filialen und 2.100 Mitarbeitern neu gestartet. Jetzt werden nach der Insolvenz 2023 auch die zuletzt verbliebenen 160 Filialen geschlossen, 900 Mitarbeiter aus Läden, Produktion und Verwaltung müssen sich einen neuen Arbeitgeber suchen. Wir drücken ihnen die Daumen, dass ihnen das schnell innerhalb der Branche gelingt. Nun wird vielen Filialbäckern bei diesen Zahlen schon ein Strukturproblem aufgefallen sein. Nehmen wir mal zum Vergleich die Bäckerei Junge aus Lübeck, die in einigen Regionen auch Wettbewerber des Lila Bäckers war: 4.800 Mitarbeiter, 205 Geschäfte. 2022 setzte Junge mit deutlich weniger Filialen als der Lila Bäcker mit 182 Millionen Euro gut das Zweieinhalbfache um. Oder, wieder ganz grob über den Daumen gerechnet: Eine durchschnittliche Junge-Filiale machte den dreifachen Umsatz eines Lila Bäcker-Standortes.
Die Branche sollte alles tun, damit Insolvenzen wie die des Lila Bäckers nicht das Bild eines sterbenden Handwerks entstehen lassen. Nach unserer Wahrnehmung war 2023 für viele Betriebe ein ordentliches Jahr. Dem Lila Bäcker ist es nicht gelungen, die Filialstruktur rechtzeitig den Anforderungen des Marktes anzupassen. Wer da wann wo welche Fehler gemacht hat, ist heute schwer zu ermitteln und außerdem müßig. Lehre sollte nur sein, dass die ständige Arbeit an der Filialstruktur weiter zu den wichtigsten Aufgaben von Unternehmerin oder Unternehmer gehört. Das kann auch die Entscheidung mit sich bringen, deutlich kleiner zu werden. Wir denken da zum Beispiel an einen bekannten Ehrenamtsträger, der vor zehn Jahren nüchtern erkannte, welche Auswirkungen der Mindestlohn auf sein Unternehmen bei Bewahrung der aktuellen Filialstruktur haben würde. In der Folge gab er die meisten kleinen Filialen ab, konzentrierte sich auf sein Hauptgeschäft und steht heute wunderbar solide da. Was auch wieder einmal beweist, dass im Bäckerhandwerk nicht zwangsweise die großen Fische die kleinen fressen. Der kleine Fisch braucht allerdings einen guten Taschenrechner.
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