Ja, ich bin ein großer Freund davon, elektrifizierte Dinge zu gebrauchen. Davon zeu- gen die Zahnbürste, die ich benutze, und das Auto, das ich fahre. Die Krönung dieser Elektrowelle sind dann die Geräte, die nicht nur elektrisch sind, sondern mit einem Akku betrieben wer- den. Elektrische Rasenmäher gibt es schon lange, aber nun sind sie auch ohne Kabel er- hältlich, was mir persönlich tatsächlich sehr entgegenkommt, da ich nicht nur einmal dieses Kabel mit eben jenem elektrischen Rasenmäher durchtrennt habe. Sorry, Papa. Auch für das ähnlich gelagerte Missgeschick mit der elektrischen und vor allem noch nicht kabellosen Heckenschere. Inzwischen gibt es kaum noch Gartengeräte und Werkzeuge ohne Akku. Der Rasentrimmer, die Stichsä- ge und was weiß ich nicht alles. Überall wird die neue Flexibilität und die Unabhängigkeit von der Kabeltrommel beschworen. Dass so mancher Akku allerdings nur Energie für knapp 15 Minuten Arbeit hat, steht auf ei- nem anderen Blatt. Naja, dann kann man seine Freiheit während des Ladevorgangs nutzen. Vielleicht birgt der hoffentlich nicht akkubetriebene Kühlschrank noch ein küh- les Bierchen – Gartenarbeit macht ja durs- tig. Aber ich schweife ab. Es gibt auch Gerä- te, bei denen mir schleierhaft bleibt, warum ich hier auf den Akkubetrieb setzen sollte. Im Baumarkt meines Vertrauens wollte man mir nun tatsächlich einen Hochdruckreini- ger mit Akku andrehen. Ich lehnte jedoch höflich ab, weil mir das Gerät zu schwer er- schien. Aber der Baumarkt-Heini versicherte mir, dass der Akku-Hochdruckreiniger nicht schwerer sei als herkömmliche Geräte die- ser Art. „Ich hatte angenommen, ich müsste den Wassertank mitschleppen“, erklärte ich dem Heini, der dann seinerseits antwortete: „Nein, nein, es gibt keinen Wassertank! Das Wasser wird weiterhin durch den Schlauch zum Gerät geführt“. Auf die Frage, ob dieser Schlauch nicht genau die Freiheit, Flexibili- tät und Unabhängigkeit einschränken wür- de, die mir der Akku versprach, wusste er auch keine Antwort mehr, die Knalltüte. Wie auch immer: Ein Akkubetrieb kann sinnvoll sein, darf aber nicht zum Selbstzweck wer- den. Jetzt wäre es mir neu, wenn es in den bundesdeutschen Backstuben Ausrollma- schinen oder gar Kneter gäbe, die mit einem Akku betrieben würden. Warum auch? Aber den Selbstzweck, den gibt es dort bestimmt auch. Manchmal kommt er etwas verkleidet daher und hüllt sich in die steile These „Das haben wir immer so gemacht!“ Wahlweise auch in der negativen Variante: „Das haben wir noch nie so gemacht!“ In beiden Fällen bleibt es wichtig, nach dem Warum zu fra- gen. Sicherlich gab es einmal gute Gründe, sich für einen Ablauf, für eine Technik oder für eine Zutat zu entscheiden. Aber gelten diese Gründe auch heute noch, oder tut man das, was man tut, aus purer Gewohnheit und Routine? Sich diese Frage zu stellen – bezo- gen auf alles, was im Betrieb eine Rolle spielt – ist der erste Schritt raus aus der Betriebs- blindheit. Manchmal müssen erst neue Mit- arbeiter anfangen, die mit einem unbefange- nen Blick auf die Dinge schauen und dann kritisch nachfragen. Oft könnten aber auch die Mitarbeiter weiterhelfen, die schon lan- ge bei uns beschäftigt sind. Hier ist es aber wichtig, diesen Ratgebern sicheren Raum zu geben. Wenn die Meinung vorherrscht, dass sich sowieso nichts ändern wird, weil der Chef beratungsresistent, vielleicht gar cholerisch ist, dann wird niemand etwas sa- gen. Schon allein, um nicht in einen Konflikt zu geraten. Mitarbeiter wissen meist sehr genau, woran es hakt. Sie werden es aber nur sagen, wenn der Chef es zulässt, dass jemand sein Brett vorm Kopf entfernt. Viel- leicht mit der akkubetriebenen Stichsäge.
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